Der Moͤnch und der Muſelmann. 285
„Sendet mich an den Hof des Koͤnigs, ihm ei⸗ nen Vorſchlag zu machen: ich will ihm ſagen, daß wir bereit ſind, die Steuer zu bezahlen, wenn ſeine Veſyre eine Frage beantworten, welche ich ihnen vorlege.“
Die Chriſten ſtimmten alle dieſem Vorſchlage bei, und der Geiſtliche reiſte mit einer vollen Börſe, worin die Steuer enthalten war, und mit einigen Geſchenken der Chriſten fuͤr den Sultan, nach Hofe. 2
Sechshundert und vier und ſiebzigſter Tag.
Als er vorgelaßen wurde, uͤberreichte er dem Fuͤr⸗ ſten ſehr ehrerbietig die Geſchenke ſeines Landes, und ſprach zu ihm:
„Herr, wir ſind bereit, deiner Majeſtaͤt den Ka⸗ radſch zu entrichten, wenn du ſelber, oder deine Veſyre und Schriftgelehrten eine Frage beantworten, welche ich vorlegen werde: wenn aber niemand dieſelbe beant⸗ wortet, ſo wirſt du vergoͤnnen, daß ich ohne Zahlung heim kehre.“
„Ich bin es zufrieden,“ antwortete der Koͤnig, „denn ich habe ſehr gelehrte Maͤnner an meinem Hofe, und deine Frage muͤßte gar ſchwierig ſein, wenn keiner von ihnen ſie zu beantworten wuͤßte.“
Der Koͤnig berief alsbald alle ſeine Veſyre und Schriftgelehrten, und ſprach zu dem Moͤnche: 4


