Mograby und Planeten⸗Schweſter. 79 Das rieſengroße Bild der vermeintlichen Gottheit
war ganz von Gold, mit Edelſteinen von unſchaͤtzba⸗
rem Werthe bedeckt, und ſeine Augen beſtanden aus zwei in Diamanten gefaßten Karfunkeln. Taͤglich wurde der Altar des Baal durch friſche Blutopfer beſudelt.
Ich war das einzige Kind, welches meinem Va⸗ ter uͤbrig geblieben. Im neunten Jahre verlor ich zu gleicher Zeit meine Mutter und meine Hofmeiſterinn. Dieſe, eine geborne Muſelmaͤnninn und im Grunde des Herzens ihrem Glauben ſehr zugethan, verſuchte es heimlich, mich die Vorzuͤge deſſelben kennen, und die Gebote lieben zu lehren.
Als ſie ihr Ende herannahen fuͤhlte, ſprach ſie zu mir:
„Mein liebes Kind, ungern verlaße ich dich in der Gefahr, der du ausgeſetzt biſt. Man wird dich in alle Graͤuel des Goͤtzendienſtes einweihen. Nimm we⸗ nigſtens von mir dieſes Buch; verſtecke es eben ſo ſorgfaͤltig, als ich gethan habe, und ſo oft du dich meiner erinnerſt, lies ein Kapitel darin; aber nimm dich in Acht, daß es niemand gewahr wird.“
Ich nahm aus ihren Haͤnden den Koran, wel⸗ chen ſie mir uͤbergab, und legte ihn in ein Kaͤſtchen, wovon ich allein den Schluͤſſel hatte. Aber ungluͤckli⸗ cherweiſe verlor ich bald die Luſt, in dieſem Buche nach Wahrheiten zu ſuchen.


