Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Auf den Kaiſerpaläſten.

Laß gut ſein, ſprach er nach einer Pauſe,an einem ſchönen Morgen werde ich wieder einmal verſchwunden ſein; ich muß doch, ſetzte er ſehr ernſthaft hinzu,nach Becker und Krauß ſehen und nach unſerem ehemaligen Ate⸗ lier. An einem heitern Abend aber, ſagte er nach einer Pauſe luſtig,bin ich wieder da mit einem herzlichen feli- cissima notte!

Der alte freundliche Herr kam aus dem Atelier zurück, wie mit großer Befriedigung den Kopf auf und ab wiegend. Er ſchritt auf den Tannhäuſer zu, legte die rechte Hand auf deſſen Schulter und ſagte:Das iſt ſchön, das iſt ſchön. Daß mich die menſchlich wahren und doch ſo göttlichen Züge im Kopfe der Madonna anheimeln, verſteht ſich von ſelbſt und will ich den Grund davon nicht läugnen. Wie Ihr aber, Tannhäuſer, den Kopf des himmliſchen Kindes träumen konntet, das iſt mir rein unerklärlich.

Den habe ich auch nicht geträumt, verſetzte Tannhäu⸗ ſer, indem er vor ſich niederblickte.Ich habe ihn geſehen, gewiß und wahrhaftig vor mir geſehen.

In dieſem Augenblicke erſchien Franceska wieder, ſie lehnte an der Thüreinfaſſung, die Rechte über dem Kopfe erhoben, wie der kleine Maler, der ernſt, faſt traurig, nach ihr hinblickte, ſie ſo oft damals unter der Veranda hatte ſtehen ſehen. Warum ſich plötzlich ſeine Augen umflorten, wollen wir nicht ſagen; aber er zwang ſich, unter dem

eigenthümlichen Glanze, der dieſelben erfüllte, zu lächeln,

Hacklaͤnder, Tannhäuſer. II. 15