Teil eines Werkes 
2. Bd. (1860)
Entstehung
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Erinnerungen. 13

vor ſich die weite lombardiſche Ebene ſehen, in ihr den Po als ſilberglänzenden Faden, das Ganze in Duft ver⸗ ſchwimmend, dem man es ſchon von weitem anſah, daß er mit Orangendüften geſchwängert ſei. Es iſt indeſſen andern ehrlichen Leuten hierin auch nicht beſſer gegangen als dem jungen Maler, und wenn ſie oben ankamen, wo die Pferde vor dem Wagen nach manchen Stunden wieder anfingen, luſtig abwärts zu traben, ſo haben ſie ſich auch wohl neu⸗ gierig in ihrem Wagen emporgerichtet, um nichts zu ſehen als ein hübſches Stück Chaos: wilde Felsmaſſen, ſchneebe⸗ deckte Bergzacken, rechts und links emporſtrebend, ſauſender, kalter Wind, und rings umher eine unbeſchreibliche melan⸗ choliſche Einſamkeit. Nach und nach wird es freilich beſſer, aber ſehr nach und nach; da iſt kein ſchroffer Uebergang, da folgt alles ganz natürlich auf einander. Die Nadelhölzer laſſen ſich ablöſen von einzelnen Buchen und Eichen, ihnen folgen Kaſtanien, und da mittlerweile die Häuſer, deren Dächer wir oben mit dicken Felsſteinen beſchwert fanden, freundlicher, heiterer erſcheinen ſie ſind nicht mehr dunkel⸗ braun, ſondern mit weißer Farbe angeſtrichen ſo finden wir es auch jetzt begreiflich, daß ſich Rebengewinde einſtel⸗ len, die kunſtlos gearbeitete Veranden überſpinnen und an Mauer und Baum emporranken.

Es dämmerte ſchon, als man Chiavenna erreichte, und die Lichter, welche unter den verſchiedenen Veranda's her⸗

vorleuchteten und um welche vergnügt plaudernde und

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