Straßenwanderung. 41
oder Kavallerie gedient, erkennt man leicht am Schnitt des Bartes; der Infanteriſt trägt ihn klein, oft zu ein paar unbedeutenden Punkten zuſammenraſirt, der Kavalleriſt da⸗ gegen lang, herabfallend oder wenn er ſich noch zu Anſprü⸗ chen berechtigt hält, keck hinaufgedreht. Am beſten aber unterſcheiden ſich beide Waffengattungen in ihren Penſio⸗ nären durch die verſchiedene Gangart; während der ehe⸗ malige Infanteriſt etwas darauf hält, daß immer noch ſeine Fußſpitzen zuerſt den Boden berühren und daß ſich das Bein ſo geſtreckt wie möglich präſentirt, befleißigt ſich der Andere einer ausgeſuchten Nonchalance, geht ziemlich breit⸗ ſpurig und ſchlenkert bedeutend mit dem linken Fuße, wenn er Huſar geweſen iſt. Eigenthümlich iſt, daß beide Arten häufig und gern Sporen tragen, wobei denn der ehemalige Hauptmann gewiß nicht ohne Sprungriemen erſcheinen wird, der alte Rittmeiſter zu Fuß aber darauf durchaus nichts hält und es ganz natürlich findet, wenn ſeine weiten Bein⸗ kleider ſich angenehm und bequem in die Höhe ziehen. Aber weiter auf unſerem Spaziergange! Die Straße, die wir eben durchwandert, verbindet in ihrer Dürftigkeit zwei beſſere Quartiere; denn drüben iſt wieder eine breite Straße, ebenfalls mit hohen Häuſern beſetzt; doch haben dieſe Häuſer größere Fenſter und Eingangsthüren, kurz einen wohnlicheren Anſtrich. Das weibliche Dienſtperſonal, welches man hier ſieht, erſcheint beſſer gekleidet, rennt auch nicht ſo in größter Eile an einander vorbei, ja überläßt ſich


