Catheder gegenüber zwei vollkommen ungleiche Fenſter,
das eine hoch gewölbt, das andere klein und viereckig. Ihm war der Anblick dieſer Fenſter ſo außerordentlich 2 ſtörend, daß er ſeine Gedanken nur beiſammen halten ⸗ konnte, indem er die Augen feſt auf ſein Manuſcript richtete, ſobald er aber aufſah und dieſe beiden unregel⸗ mäßigen Figuren erblickte, die ihm durch nichts in har⸗ moniſchen Einklang zu bringen ſchienen, ſo wurde er verwirrt, mißſtimmt und unmuthig. Statt aber Jemand dieſen Alp, der ihn drückte, zu offenbaren, nahm er plötz⸗
lich ſeinen Abſchied mit der verdienten Penſion und zog
ſich hierher zurück, ſo gut wie gar keinen Umgang an⸗ knüpfend. Anfänglich hatte er Abends eine Geſellſchaft beſucht, wo in großen ſtattlichen Zimmern zur Erholung und Unterhaſtung der Mitglieder Alles gethan war. Da gab es Lefe⸗Cabinette, und Billard⸗Zimmer, Reſtau⸗ rationen und Kegelbahnen und dorthin ging der Profeſſor einige Male Abends in der Woche. Da er aber auch dort wenig Bekanntſchaften machte, ſelten mit Jemand ſprach, ſo war der lange dürre und ſchweigſame Mann beſtändig ein fremdes Element, das einſam und unberührt auf den
Wogen der Geſellſchaft dahinſchwamm. Stundenlang konnte er vor dem Billard ſtehen und den Lauf der Ku⸗ 4 gel, ſowie die Winkel, welche von den anprallenden be⸗ ſchrieben wurden, aufmerkſam verfolgen und ſich daraus allerlei mathematiſche Figuren zuſammenſtellen. Später


