Teil eines Werkes 
3. Bd. (1868)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

Neunundzwanzigſtes Kapitel. 261

bruch, die ganze Frucht tauſenfältiger Mühe verloren— retten wir, was vielleicht noch zu retten iſt!“

Die Schlüſſel des Schreibtiſches zitterten in ſeiner Hand, weßhalb er die Finger feſt zuſammenpreßte, damit das Klirren nicht im Nebenzimmer gehört werde, und da⸗ bei war ſein Blick ſo unſicher geworden, daß er mehrere Male vergeblich verſuchte, den richtigen Schlüſſel einzu⸗ ſtecken. Doch raffte er ſich mit übermenſchlicher An⸗ ſtrengung zuſammen, öffnete den Schreibtiſch, zog das uns wohlbekannte Fach hervor und war im Begriffe, die rothe Mappe herauszunehmen, als er, erſchreckt auf⸗ horchend, vor ſeiner Zimmerthür das Rauſchen eines Kleides und eine ihm wohlbekannte Stimme vernahm, welche fragte:„Darf ich hereinkommen, Papa?“

Raſch warf er die Schublade wieder zu, ſetzte haſtig ſeine blaue Brille auf, damit Lucy ſeine feuchten und ge⸗ rötheten Augen nicht ſähe, und ſagte dann:„Gewiß, mein Kind, gewiß— ich freue mich, dich zu ſehen.“

Und daß er ſich in der That darüber freute, hätte man ſehen können an ſeinem jetzt plötzlich ganz veränderten Geſichtsausdrucke. Trat doch das holde Geſchöpf in ſeinem einfachen, weißen Kleide wie ein Friedensengel vor ihn hin, erſchien ihm doch ſeine Tochter wie ein Stern in

finſterer Nacht, groß, Rettung verheißend— war es ihm