Erſtes Kapitel. 5
freundliche Uebereinkünfte zu ſchließen, wo jeder Theil ein wenig Haar laſſen mußte und wo der am beſten wegkam, welcher am pfiffigſten zu reden und am meiſten zu ver⸗ ſprechen wußte.
Nach ſolchen Fehden, welche in dieſen milder gewor⸗ denen Zeiten wenig oder kein Blut, aber viel Dinte ge⸗ koſtet hatten, wo die Papiermüller frohlockten, weil ſie gute Geſchäfte machten, und wo das Geſchlecht der Gänſe in Gefahr war, auszuſterben— nach ſolchen Fehden erſchien dann die Taube als Sinnbild des Friedens, aber nicht mit dem Oelblatte im Schnabel, ſondern wie es ſich für die ganz anders gewordenen Zeiten paßte, mit farbigen Bändern, um ſo ſymboliſch eine innigere und feſtere Ver⸗ bindung zu bezeichnen. Freilich, als der erſte regierende Bürgermeiſter das erſte farbige Bändlein in das Knopf⸗ loch ſteckte, da gab es finſtere Geſichter in der Bürger⸗ verſammlung, und in der Mitternacht ſollen ſich die Häuſer der alten Patrizier rings um das Rathhaus herum unmuthig geſchüttelt haben. Doch ging auch das vorüber; die alten Zeiten, Anſichten und Gewohnheiten verblaßten nach und nach zu nebelhaften Umriſſen, und in der Zeit, wo unſere wahre Geſchichte beginnt, erſchien ein farbiges Bändlein im Knopfloche des regierenden Stadtoberhauptes ſo ſelbſt⸗ redend und folgerichtig wie der rothbackige Apfel im Herbſte, der ja auch ohne beſonderes Zuthun des Baumes von


