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6 Erſtes Kapitel
goldene Bilderrahmen mit prachtvollen Landſchaften, Schlacht⸗ und Seeſtücken. Die Lambriſen ſind von feinen eingelegten Holzarten und laufen rings umher bis zu einem rieſenhaf⸗ ten Marmorkamin, in dem aber kein Feuer brannte, und über welchem ein ungeheurer Spiegel ſich bis hoch an den vergoldeten Fries erſtrecktt, der unter dem Plafond dahin⸗ läuft. Dieſer Plafond iſt reich gemalt und in ſeiner Mitte hängt ein ſchwerer Broncelüſtre mit unzähligen aufgeſteckten Wachskerzen; der parquetirte Fußboden iſt ſpiegelblank und das Ameublement, wie wir ſchon vorhin bemerkten, wenn auch reich, doch ſehr einfach: es beſteht aus einem Dutzend Stühlen, welche an den Wänden umherſtehen, und einem großen Tiſche in der Mitte des Gemachs.— Richtig, dort in den beiden Fenſtervertiefungen, welche die dicken Mauern des Schloſſes bilden, ſtehen noch zwei Fauteuils, und vor einem derſelben ein kleines Tiſchchen mit Papier und Schreibzeug.
Wir ſind im Schloſſe des Regenten im Parterreſtock⸗ werke; die Fenſter unſeres Gemaches gehen auf einen um⸗ ſchloſſenen Hof, und die Ruhe und Stille, welche dort, ſowie in den hohen Corridors und auf den breiten Treppen herrſcht, lagert beängſtigend vor Thür und Fenſter; ſie läßt ſich nur ungern ſtören und unterbrechen, und wenn man von fern⸗ her Tritte eines menſchlichen Fußes vernimmt oder jemanden huſten hört, ſo grollt die Stille darüber und äfft dieſe Töne mit lautem Echo nach.—
In dem weiten Gemache befinden ſich zwei junge Män⸗


