Teil eines Werkes 
56. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Der Künſtlerhof von Granada. 311

tieen vorbei, zwiſchen duftenden Büſchen dahin, unter mächtigen, leiſe rauſchenden Bäumen, an murmelndem Waſſer vorüber, das ſie hörten, ohne es zu ſehen, und mündete endlich in einen großen, halbkreisförmigen Raſenplatz, an deſſen Ende ſich das ſchloßähnliche Landhaus erhob. Hier machte ſich Margarethe ſanft von der Hand ihres Vaters los und flog den Weg hinan dem hell erleuchteten Portale zu, wo ſie im nächſten Augenblicke in den Armen der beiden Schweſtern ruhte, von ihnen zärtlich umarmt und geküßt, wie eine lang vermißte, innig geliebte Tochter; dann kam auch Mercedes und Don Joſe, und keiner von Allen war vor Rührung und Freude zu ſprechen im Stande, am wenigſten Margarethe, die entzückt um ſich her ſchaute, bald in die freudigen Augen ihrer Lieben, bald an den dunkeln Nachthimmel empor zu der feinen Mondſichel und den glänzenden Sternen, wobei ſie in Einem fort ausrief:O, wie ſchön iſt es hier bei Euch, wie wunderbar ſchön und herrlich, und wie glücklich bin ich! 4

Dann kamen auch die Anderen nach und nach, und der Em⸗ pfang, der ihnen zu Theil wurde, war gerade ſo, wie er ſein ſollte: aufs herzlichſte, wie man ſeine Lieben empfängt, die man lange nicht geſehen und die von nun an bei uns bleiben wollen. Da war Lord Warren ſo über alle Beſchreibung glücklich, daß er gern irgend einen tollen Streich ausgeführt hätte, wozu er aber keine Veranlaſſung fand; da bemühte ſich Walter, ernſthaft und würdig, faſt trotzig auszuſehen, um die naſeweiſen Thränen zurückzudrängen, welche ſeine grauen Wimpern befeuchteten; da glaubte Rafael in Einem fort zu träumen, wobei er ſich vor einem unangenehmen Erwachen fürchtete.

Da fuhr der alte Maler plötzlich zuſammen, als eine lange, dunkle Geſtalt auf ihn zutrat, ihm die Hand auf die Schulter legte und ihn mit den Worten anredete: ‚Pax tecum! jubelte aber im nächſten Augenblicke laut auf, als er in der Capucinerkutte Knorx er⸗ 4 kannte, der ihm nun ſeine Hände entgegenſtreckte und ihn willkommen hieß mit ſo freundlichem Ausdrucke, als das ſein hageres Geſicht zuließ.