Teil eines Werkes 
55. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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32 Vierunddreißigſtes Kapitel.

die Pferde, welche den Wagen zogen, von einem großen Schwane, welcher mit weit ausgeſpannten Flügeln auf den unter ihm befind⸗ lichen ſilbernen Wogen dahinzuſegeln ſchien. Dieſer majeſtätiſche Vogel war an eine reich verzierte große Muſchel geſchirrt und wurde von einem kleinen Kinde in Amorgeſtalt an goldenen Zügeln gehalten. Der Inſaſſe der Muſchel war der Schwanenritter, in herrlicher Rüſtung prangend, ſehnſüchtig hinaufſchauend nach dem Altane des mit Fahnen geſchmückten Schloſſes, wo die ſchöne Beatrix, die ver⸗ waiste Erbin von Teuſterband, das Ziel ſeiner romantiſchen Fahrt, hold lächelnd zwiſchen Blumen herunterblickte.

Die Verbündeten, welche wir ſchon vor ein paar Tagen bei ihrem Einzuge begrüßt, folgten nun in langer, bunter Reihe, und dabei gewährte es einen heiteren Anblick, wenn man ſah, wie ſich zwiſchen die ernſthaften Abgeſandten der Narrenzünfte von Schilda, Venedig, Dülken, Abdera und Cochem die ſieben Schwaben in großer Action eingeſchoben und, der Jockele mit den gelben Füßen voran, alle den gewaltigen Speer angefaßt hatten, uni auf den Haſen, das furchtbare Unthier, loszugehen. Oder wenn man den ſinnreichen Junker von der Mancha, unſern alten Bekannten, ſah mit langer Lanze auf einer furchtbar dürren Mähre, während hinter ihm ſein Schildknappe Sancho, mit einer langen Cervelat⸗ wurſt bewaffnet, auf einem dicken Eſel ritt. Nachdem die Ver⸗ bündeten die ſüdliche Seite des Neumarktes beſetzt hatten, gab dieſer mit der Zuſchauermaſſe rings umher, mit den bunt beſetzten Fenſtern, unter dem ſchönen, blauen Himmel, überſtrahlt von Sonnenglanz, ein ſo reiches, heiteres und lebendiges Bild, wie etwas Aehnliches ſelbſt hier noch nie geſehen worden iſt; dazu die brauſende Muſik der zahlreichen Banden, welche zuerſt abwechſelnd ſpielten und ſich alsdann auf ein Zeichen des Carnevals⸗General⸗Muſikdirectors Radikati, der in ſeinem mit Noten verzierten Coſtume in die Mitte des Platzes ſprengte, um ihn in einem weiten Kreiſe zuſammen⸗ zogen und das Carnevals⸗Bundeslied anſtimmten, in deſſen bekannte Weiſe Tauſende und Tauſende von Stimmen einfielen. Eine