Teil eines Werkes 
51. Bd. (1873) Werke
Entstehung
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Reiſeluſt.

Auch ein Kellner erſchien mit gefüllten Biergläſern, machte aber bei den Sieben ſchlechte Geſchäfte, denn der erſte Kollege ver⸗ neinte dankend, wandte ſich mit einer zweifelhaft verneinenden Frage an den zweiten Kollegen, dieſer an den dritten, welcher ſich mit Umgehung Herrn Schmauder's an den vierten wandte, auf welche Art der Kellner keine Geſchäfte machte, wenn ſich nicht unſer Rei⸗ ſender mit einer Energie, die ihm ſonſt nicht eigen war, eines Glaſes bemächtigt und es ohne Anſtrengung auf einen Zug aus⸗ getrunken hätte. In dieſer Art zu handeln lag etwas abſichtlich Herausforderndes, was dem ſanften Gemüthe des Oberreviſors ſonſt nicht eigen war, doch fühlte er ſich in Wahrheit verletzt durch das ſchroffe Stillſchweigen ſeiner Reiſegeſellſchaft. Es hätte ihm ſo wohl gethan, eine freundliche Geſellſchaft zu finden, mit der er hätte plaudern können über die ausgeſtandenen Leiden des heutigen Tages ja, er fühlte ſich ſo bedürftig eines gemüthlichen Wortes, daß er einige Male verſuchte, das Eis dieſer ſittlich umpanzerten Herzen zu durchbrechen und dieſem feſten und ſtarren Felſen einen Rede⸗ quell zu entlocken vergeblich ein bezeichnendes Achſelzucken, ein leichtes Kopfſchütteln war Alles, was er zur Antwort erhielt, oder es wurde ſeine Frage nach dem Namen eines Dorfes, eines Schloſſes, an dem ſie vorüberfuhren, in flüſterndem Tone dem Nachbar wiederholt, um von dieſem alsdann achſelzuckend oder kopfſchüttelnd beantwortet zu werden.

Und doch entſprang dieſes zurückhaltende Benehmen der ſieben Herren nicht aus Stolz oder Hochmuth, ſondern es dünkte ihnen unzuläſſig, mit einem Menſchen und ſei es auch nur durch Fragen oder Antworten in Berührung zu kommen, der ſo ge⸗ wiſſenlos fluchte, wie Herr Schmauder allerdings gethan, mit einem Menſchen, deſſen verwildertes, verdorbenes Inneres ſich gewiß zu erkennen gab in jedem finſteren Ausdrucke, der ſeiner rauchigen Seele entſtieg warum ſich trüben laſſen den ſtillen, evangeliſchen Frieden ihres Innern? warum ihre Schuhſohlen in Berührung bringen mit dem Schmutze des gewöhnlichen Lebens, ſie, die da