Reiſeluſt.
„Erlauben Sie mir, mein Herr,“ ſagte Herr Schmauder im Tone gerechter Entrüſtung,„das iſt für mich durchaus keine Klei⸗ nigkeit; wenn man, wie ich, zum Vergnügen eine Reiſe unternimmt, ſo kann es Einem, abgeſehen von allen Schmerzen, nicht gleichgültig ſein, tagelang mit einer geſchwollenen Naſe herumzulaufen.“
„Ich wollte nur ſagen, eine Kleinigkeit in den Augen von uns Bienenzüchtern,“ erwiederte der lange Mann in beſchwichti⸗ gendem Tone.
„Ich bin aber kein Bienenzüchter,“ fuhr Herr Schmauder auf⸗ geregt fort,„habe überhaupt bis jetzt nicht gewußt, daß die Bienen⸗ zucht als förmliches Gewerbe betrieben wird und daß die Bienen⸗ züchter Vereine bilden, welche zum Schaden ihrer Nebenmenſchen in der Welt herumfahren.“
„Erlauben Sie mir, daß ich dieſen Schaden, den ich allerdings, ohne es zu wollen, angerichtet habe, ſo raſch als möglich wieder gut mache.“ Er zog ein Fläſchchen mit Salmiakgeiſt aus der Taſche, und als der Leidende nach einigem Widerſtreben ſich damit die Naſe hatte betupfen laſſen, rief der Schullehrer nach irgend einem Stücke Metall, worauf ein robuſt ausſehender Mann aus der Verſammlung, der, obgleich Bienenzüchter, ſeines Zeichens ein Schreiner war, ein Hobeleiſen aus der Taſche zog, welches für eine kleine halbe Stunde vermittelſt des Taſchentuchs auf die bereits im Schwellen begriffene Stelle gelegt wurde.
Da ſaß er denn nun mit verbundenem Kopfe in ſeiner Ecke, und wenn ſeine Seele jemals von finſteren, ja von wilden Ge⸗ danken beherrſcht wurde, ſo war es in dieſem Augenblicke der Fall — Turner und Bienenzüchter hatten ihm gleich übel mitgeſpielt und er erlaubte ſich im Stillen aber ingrimmig eine Frage an das Schickſal, warum denn er gerade an demſelben Tage habe auf Reiſen gehen müſſen, wo dieſe Vereine es für gut befunden, harm⸗ loſe Paſſagiere durch ihre Gegenwart zu beläſtigen.— Wozu über⸗ haupt alle dieſe Vereinigungen, dachte er finſter und dabei fiel ihm
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