Familien⸗Concert. 257 dann iſt eine Zwiſchenpauſe ſo nöthig; man muß doch eine kleine Converſation machen laſſen, man muß doch ein paar kleine Erfriſchun⸗ gen herumreichen.“ Bei dieſen Worten blickte, die Regierungsräthin auf ihre Kaffeetaſſe und dachte an Himbeerwaſſer und Mandelmilch. Der Regierungsrath ſah an die Decke des Zimmers empor und verge⸗ genwärtigte ſich den Augenblick, wo in der Pauſe der Departements⸗ chef zu ihm treten, ihm herablaſſend die Hand drücken und zu ihm ſprechen würde:„Ihre Arrangements ſind vortrefflich, mein lieber Zwicker; man iſt nirgends ſo comfortable wie bei Ihnen.“ Amalie
ſtarrte in die Einladungsliſte hinein, wobei ſie an Herrn Strammer
dachte; Laura trommelte mit den Fingern auf dem Tiſch den Men⸗ delſohn'ſchen Hochzeitsmarſch aus dem Sommernachtstraum. Jede Note widmete ſie Schmelzing, und ſo war die ganze Familie glücklich.
„Wir haben alſo,“ ſagte Vater Zwicker nach einer Pauſe,„zur Introduction die Sonate pathetique von Beethoven, drei famoſe Theile, t⸗ welche Herr Schwicheler außerordentlich ſchön ausführen wird. Dann folgt Prumes Melancholie, und ich bin feſt überzeugt, daß die erſten Geiger der Hofkapelle ſich ein Muſter an dem jungen Sternbach neh⸗
men können. Darauf Fräulein Windel, der kleine Rekrut von Kücken. 7— Es gefällt mir eigentlich,“ unterbrach der Regierungsrath ſeinen Vortrag,„daß Fräulein Windel, die ſonſt auf die großen Arien ver⸗ ſeſſen iſt, Kückens kleines reizendes Lied gewählt hat. Sie fängt an,
beſcheiden zu werden und das freut mich.“— Bei dieſen Worten
lächelte Madame Zwicker ironiſch und ihre beiden Töchter lachten laut
und höhniſch hinaus.„Beſcheiden?“ meinte Laura achſelzuckend.„Das
iſt der Beweggrund nicht, Gott, wer weiß nicht, wie auffallend ſie mit dem Lieutenant v. W. ſchmachtet. Dem zu Chren ſingt ſie das Sol⸗ datenlied.“—„Bah,“ ſagte der Regierungsrath einigermaßen verdutzt,
„wär's möglich? Ja, wie kann unſereins auf ſolche Schwänke kom⸗ men! Aber das Lied iſt ſchön, ich habe nichts dagegen einzuwenden. — Weiter! Phantaſie von Böhm für Flöte und Pianoforte— Fräu⸗ lein Laura Zwicker— Herr Wölfel.— Kind, die Phantaſie iſt ſchwer, Hackländers Werke. XXV. 17


