Familien⸗Concert. 255
Ich ſehe das auf den Muſeumsbällen; ſprechen meine Töchter mit ein paar jungen Herren, gleich ſind die A.'s da. Und dann iſt es nicht wegzudisputiren, daß ſie, Gott weiß, auf welche Art, ausſpioniren, was Amalie oder Laura anzieht. Neulich kamen unſere beiden Mäd⸗ chen in gelben Baregekleidern; was ſehen meine Augen, als die A.'s ankommen? Ebenfalls gelbe Baregekleider und hochroth aufgeputzt. Ach, ich ſage dir, das hat mich tief empört. Ich hatte gelb gewählt, weil es etwas hervorſticht; blan, weiß, roth iſt ordinär; es fragt ſich ſo gut auf ſo nem Ball: wer ſind die in Gelb?— Regierungsrath Zwickers u. ſ. w. Nein, nein, die A.“s läßt du mir fort, darauf be⸗ ſtehe ich feſt.“
Hienach erhält der Doctor A. mit ſeinen Töchtern keinen Strich und der Regierungsrath las weiter, lauter an ſich unbedeutende Na⸗ men, aber wohlgefällig klingend in den Ohren der beiden Töchter. Papa holte hier das Verſäumte nach und der Lieutenants, Supernu⸗ meräre, Referendäre, Candidaten und Aſſiſtenten durch alle Rubriken war kein Ende. Zuletzt kam das eigene Kanzlei⸗Perſonal, und dabei horchte Laura mit ungetheilter Aufmerkſamkeit. Doch es ſchien ihr
wie der Prinzeſſin im Taucher zu gehen: wenn auch alle Waſſer her⸗
aufrauſchten, alle möglichen Namen genannt wurden, der des Jüng⸗ lings, den ſie meinte, wurde nicht genannt. Nur nahm ſie ihr Schick⸗ ſal mit weniger Reſignation hin, denn als der Vater geendigt, warf ſie den Kopf in die Höhe, zuckte unmuthig zuſammen und blickte dann auf Amalie, worauf ſich dieſe beeilte, dem Zorne ihrer Schweſter Worte zu geben.„Aber, Papa,“ ſagte die ältere Tochter,„haſt du abſichtlich den Herrn Volontär Schmelzing vergeſſen? Iſt er doch ein anſtändiger junger Mann von ſehr guter Familie und hat ſich beſtens bei uns vorſtellen laſſen.“ Der Regierungsrath ſchüttelte mit ernſtem Stirnrunzeln ſein Haupt und bemerkte:„Nicht vergeſſen, abſichtlich
weggelaſſen, ſehr abſichtlich. Dieſer Herr Schmelzing iſt ein leicht⸗ ſinniger junger Menſch, wird nie eine Carriere machen, und bemüht ſich nicht einmal, durch Achtung gegen ſeine Vorgeſetzten, ſowie durch


