Teil eines Werkes 
13. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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der Zwerge.

Ach, dachte er, das Schwatzen bei einer Arbeit muß doch eine böſe Angewohnheit ſein und wenn das ſchon eine Stunde von Aachen ſo ſchwer beſtraft wird, und das ſo fortgeht. ſo werden ſie mir in der nächſten Stadt für das unſchuldigſte Wort am Ende den Kopf abſchlagen; zum erſtenmal in ſeinem Leben dachte er dar⸗ auf an eine ernſtliche Beſſerung. Die Arbeit ging ihm indeſſen raſch von Statten, nur kam es ihm ſonderbar vor, daß er, ſo oft er einen größeren Stich machte, als nöthig, in der Hand einen ſchmerzlichen Stich empfand, wie von einer Nadel.

Während der Zeit trugen die andern Männchen beſonders trockenes Reiſig zuſammen und unterhielten das Feuer auf's Beſte. Jetzt war auch Philipp fertig geworden und da er doch das Bügel⸗ eiſen nicht gebrauchen durfte, um das Camiſol auszubügeln, ſo nahm er ſeine große Scheere und klopfte die Nähte auf dem Rücken des Zwerges breit, wobei er übrigens heftiger zuſchlug, als gerade nöthig war. Darauf nahm er den Zwerg auf die Hand, beſah ihn nochmals genau, und bemerkte mit Freuden, daß alle Traurigkeit von deſſen Geſicht verſchwunden war, worauf er ihm mit der flachen Hand einen Klaps auf einen gewiſſen Theil des Körpers gab, daß er über das Feuer hinüber in das weiche Moos fiel. Doch ſchien dieſe Behandlung den Zwerg gar nicht böſe zu machen, vielmehr raffte er ſich auf und tanzte wie unſinnig vor Freuden eine Zeit lang herum. Dann aber trat er vor den Schneider hin, zog aus der Taſche ein großes Goldſtück heraus und legte es ihm auf die Hand. Ueberraſcht ſah Philipp das Gepräge und bemerkte, daß es ein wohlausſehender Goldgulden war, der dem Gewicht und Klange nach wohl ächt ſein könnte.

Während dieſer Geſchichten war die Nacht vorgerückt, und ſchon fühlte man den kühlen Wind, der dem Morgen voraus eilt, als Philipp begann, ſein Handwerkszeug zuſammen zu packen und nach ſeinem Knotenſtock langte, um ſich den Zwergen zu empfehlen. Er reichte Allen nach einander die Hand und es that ihm wirklich leid, daß die fünf noch viel trauriger ausſahen, und nur der, den er geflickt, ein munteres und fröhliches Geſicht machte. Dieſer zog einen kleinen goldenen Becher aus der Taſche, ſetzte ihn an den Mund und reichte ihn darauf dem Schneider, der kein Arg hatte,