Beantwortung einer Anfrage. 29
kurz als möglich zu faſſen ſuchen, und der freundliche Leſer wird mich vollkommen verſtehen, wenn ich, ſtatt wie bisher, zu ihm als Publikum zu ſprechen, mich dieſes Mal an eine einzelne Perſon wende, die in des eben benannten Dörfleins beſcheidenem Grunde, ſanft gelegen zwiſchen Köln und Coblenz— ſo glaube ich,— wohnt, vielleicht auch an den flachen Ufern des Rheines zwiſchen
Bonn und Colonia, oder weiter aufwärts, allwo der Rhein ſich
verengt, wo ſteile Felſen ſich in die klare Flut herabſenken und ſich in ihr ſpiegeln mit ihrem grauen zerriſſenen Geſtein und den alten ernſten Burgen und Schlöſſern, wo Elfen und Meerweiblein ihr luſtiges, neckiſches Spiel treiben. Und daß ſie im letzteren Revier ſich aufhalte, iſt mir wahrſcheinlich.:
Ja, Madame, Sultan lebt, Sultan iſt wohl! Sultan, obgleich nur ein Hund, iſt gerührt von der Gnade, die er vor Ihren Augen gefunden, und freut ſich wie ein Kind, bei einer dereinſtigen Rheinfahrt Hönningen und Sie kennen zu lernen. Von dem Ver⸗ kaufe dieſes treuen Thieres, den Sie ſo freundlich waren, vorzu⸗ ſchlagen, Madame, kann begreiflicher Weiſe keine Rede ſein. Sul⸗ tan, der treue Sultan, liebt ſeinen jetzigen Herrn und iſt als Hund auch geſchmacklos genug, die Ufer des Neckars, wo er geboren, ſelbſt den Ufern des Rheins vorzüziehen, ſogar jener maleriſchen, unaus⸗ ſprechlich ſchönen Stelle, an welcher Hönningen liegt.
Aber, Madame, Sie haben Recht: Sie haben mich an eine Pflicht erinnert. Ich vergaß, Ihnen zu ſagen, daß der treue Sultan nicht bis heute neben dem Wagen herſpringt, in welchem ſein Herr ſaß, ſondern aus dem beachtenswerthen Grunde, weil dieſer Wagen am anderen Morgen ſeinen Beſtimmungsort jenſeits
der Grenze erreichte und dort ſtille hielt, that Sultan das Gleiche.
Ja er that noch mehr. Er legte ſich, als es Nacht wurde, vor das Bett ſeines Herrn nieder, nachdem er porher von dem getreuen Pierrot gewaſchen und gekämmt worden war.— Sie pflegen das in Hönningen gerade ſo zu machen?— Darauf ſchlief Sultan;


