Teil eines Werkes 
12. Bd. (1855) Werke
Entstehung
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8 Eiinundvierzigſtes Kapitel.

Geſicht ſo in die Breite, daß er trotz übergroßer Anſtrengung nur ſelten im Stande war, obendrein auch noch zu lachen.

Daß der Reiz des Lebens in Abwechslung beſteht, wußte auch der Schauſpieldirektor; deßhalb arangirte er dieſes heitere Fami⸗ lienfeſt nach der harten Arbeit droben, und um dieſem Grundſatze treu zu bleiben, übergab er nach dem Diner dem Herrn Wellen, dem Herrn Müller und dem Herrn Hannibal jedem ein Paket alter vergilbter Papiere. Das waren Rollen zu verſchiedenen Schau⸗, Trauer⸗ und Luſtſpielen, womit ſich dieſe drei Herren in den näch⸗ ſten Tagen vertraut zu machen hatten. 8

Als nun die Tafel aufgehoben und die Geſellſchaft auseinan⸗ der gegangen war, Jedes ſeinem Geſchäfte nach, verließen Eugen und der luſtige Rath das Wirthshaus zur wilden Roſe, um dem Schloſſe droben in der Höhe einen Beſuch abzuſtatten. 4

Sie gingen durch das Dorf, bei der alten Kirche vorbei; dort,

hatte Eugen ganz richtig vermuthet, müſſe ein Fußweg auf die Höhe führen. Da lag die kleine Kirche ſo ſtill und friedlich in⸗ mitten des von Mauern eingefaßten Friedhofes, und die warme Sonne umſchlang ſo freundlich und herzlich die alten Mauern, drang ſo unwiderſtehlich durch die langen, ſchmalen, vergitterten Fenſter, daß das alte Gebäude unter dieſen warmen Küſſen ordentlich auf⸗ zuleben ſchien. Es war ſo ſtill hier zwiſchen den Gräbern, ſo feierlich ſelbſt außerhalb der Kirche, daß unſere Freunde mit abge⸗ zogenem Hute durch das kleine Thor ſchritten. Der Friedhof ſchien nicht mehr zu dem, was er war, benutzt zu werden: da war kein friſch aufgeworfenes Grab, wo die ſchwarze Erde ausſah, als ſei ſie feucht von Thränen, hier war Alles bedeckt mit einem mit⸗ leidigen Raſen, einem vielfarbigen Blumenteppiche, den die freund⸗ liche Natur über diejenigen von ihren Kindern deckte, die den

Mühen dieſer Welt erlegen waren und ſich vertrauensvoll in ihren Schooß geflüchtet hatten.

Die alte niedrige Mauer war mit Grabſteinen hedeckt, von