durch die Entwürdigung beſudelten und mit den Zeichen eines zweiten Sündenfalles geſtempelten Eigenſchaften. Er ſtand, wie ich vorhin ſchon ſagte, in der Lehrlingszeit des Lebens, und ſollte nun eben die bittere Einſicht ſchöpfen lernen, daß„der Baum der Erkenntniß nicht der des Le⸗ bens“ iſt. Doch konnte man bei ihm noch hoffen. Er litt in der That unter dem Fieber der Reaction; er wurde durch den Irrthum der Wahrheit inne; die Verirrung des Gefühls verlangte ihre Sühne, und wenn ich an den edlen Wahn dachte, der ihn in den Irrthum geſtürzt, ſo hoffte ich, er werde dereinſt noch erfahren, daß
„Die ſtärkſte Feder in der Weisheit Schwing' iſt
Vergang'ner Thorheit Angedenken.“
Nun von mir ſelbſt. Ach, die Feder, die ſo fließend über die arglos recapitulirten Kämpfe und Jugenderfah⸗ rungen meines theuren alten Freundes hinwegglitt, nun ſtockt und zögert ſie. Es wäre vielleicht am beſten, zu ſchwei⸗ gen; doch jedes Menſchen Leben enthält eine gewiſſe Moral für die Menſchen und ich will deshalb nicht vor der Durch⸗ führung meines mir von mir ſelbſt auferlegten Unterneh⸗ mens zurückweichen. Eines Menſchen Leben kann gleichſam wie ein Leuchtthurm ſein, um für andere Menſchen den weiten Ocean des Lebens zu erhellen, obgleich dies aller⸗
dings nur dann der Fall iſt, wenn jenes Leben, in ächtem Die drei Pfade. I. 2


