Zweyter Theil. 299
Der Fuchs und die Nachtigall.
Es iſt wahr, ſprach ein Fuchs zur Nachtigall, ihr ſeyd geiſtvolle Saͤnger; nur Schade, daß es euch ganz an Weltkenntniß und Lebensklug⸗ heit fehlt! Erſt geſtern ſah ich eine deines Ge⸗ ſchlechrs recht plump in eine Falle gehen, die ihr der Menſch geſtellt hatte. Wer einen Fuchs fangen will, der muß es liſtiger angreifen.
Natuͤrlich! antwortete die Nachtigall; ihr verſteht euch ſelbſt zu gut auf das Fallenſtellen. Wuͤrden die Nachtigallen auch erſt betriegen ler⸗ nen, ſo wuͤrden ſie wahrſcheinlich nicht mehr ſo leicht betrogen werden. Aber freylich wuͤrden ſie dann auch aufhoͤren, Nachtigallen zu ſeyn, deren ſuͤßeſter Beruf es iſt, andern Freude in's Herz zu ſingen.
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