Lied von der Lilie.
(Aus einer noch unvollendeten Erzaͤhlung.) 5
Es blinkt' eine Lilie auf Bergeshoͤhn In ihrem ſchneeweißen Kleide;
Es ſtand keine Blume ſo hold und ſchoͤn Wol auf der ganzen Haide.
Und naͤchtlich ſchwebt' ein Wetter her
Miit wildem Sturm und Regen;
Es zogen die Wolken tief und ſchwer Mit dumpfen Donnerſchlaͤgen.
Und als ich nach dem Berg geſchaut, Sah ich den Grund erzittern.
O Lilie mein! du reine Braut! Du ſinkſt in Ungewittern.
Aus dunkelm Schwarz mit rothem Schein Der Blißzſtrahl fuhr hernieder.
O Lilie, ſuͤße Lilie mein! Ich ſeh' dich nimmer wieder.
Wol durch den Wald, vom Sturm entlaubt, Tbät ich im Fruͤtlicht wallen.
Da hob meine Lilte hoch ihr Haupt,
Schoͤn vor den Blumen allen.


