98 gute Laune zuruͤckſtellen— was ich zu thun ver⸗
gaß, als Sie das Letztemal bei mir waren. Sie haben meine Neigung ſo leicht erwor⸗
ben, und ſie iſt ſo ganz frei von Eigennutz, daß
ich— wenn ich Sie langweilen ſollte— Ihnen volle Freiheit gebe zu ihrer ſchönen Michelon zuruͤckzukehren, ohne Ihnen das Geringſte mei⸗ ner Achtung zu entziehen. Ich zweifle nicht an ihren Vorzuͤgen, da Sie ſie liebten. Sie ſpra⸗ chen, als ich das erſtemal das Gluͤck Ihrer Ge⸗ ſellſchaft genoß, mit ſo gluͤhender Zaͤrtlichkeit von ihr, daß ſie dieſer hohen Gunſt nicht wuͤr⸗ dig iſt, wenn ſie ſich nicht darnach betrug, ſie zu belohnen! Ich hoffe, Sie werden dieſen Aus⸗ druck nicht falſch deuten; denn ſo ſehr ich auch der Pruͤderie geſchworne Feindin bin, ſo wuͤrde es mir doch ſehr weh thun, wenn meinem Froh⸗ ſinn etwas entſchluͤpfte, das meiner Tugend Eintrag thaͤte.
Ich achte Sie, weil ich in Ihnen einen Eh⸗ renmann fand, und rechne feſt darauf, Ihre Achtung zu gewinnen, wenn auch Sie mich naͤ⸗ her kennen lernen werden. Ich bin gewiß ein recht ehrliches Madchen. Bis dahin, Adieu.


