Teil eines Werkes 
8. Bd. (1815)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

2

Ein Portrait.

Klotilde ſo will ich die nennen, die ich durch Worte zu zeichnen verſuche, nachdem An⸗ dere ſie ſo oft durch Farben zu zeichnen ver⸗ ſucht haben Klotilde iſt eben jetzt in dem ſchoͤnſten Fruͤhling des Lebens; ſie ſcheint aber aus dem Lande der Dichter herabgeſtiegen, wo der Fruͤhling neben den lieblichſten Blumen auch die zarteſten, ſuͤßeſten Fruͤchte erzeugt. Ihr Geiſt, Geſchmack und Charakter verraͤth ſich nicht nur in einzelnen ſchoͤnen Aufwallungen, ſondern ſtellt ſich zugleich dar in ſicherer Richtung und gleichem Gange ihrer Thaͤtigkeit.

Ihre Geſtalt faͤllt durch nichts auf, aber ſie ziehet augenblicklich, unwiderſtehlich an, und haͤlt dann durch die ſanfteſte Gewalt um ſo feſter, je weniger man ſich dieſer Gewalt be⸗ wußt wird. Iſt Klotilde eben fuͤr nichts beſon⸗ ders intereſſirt, ſo giebt ſie ein Bild des Mor⸗