92 Ein Zeitwort bin ich dir in anderm Sinne,
Und dir, du innig Fühlender, gewinne 4
Ich in dem Wogendrang von tauſend Leiden
Das Vorgefuhl der hoͤchſten Seligkeiten.
Sprech ich dich an aus deines Herzens Tiefen,
So leben Kraͤfte auf, die vormals ſchliefen.
Erwach ich dir in dunkeln Sternennaͤchten,
So greifſt du kuͤhn zu deinen Engelrechten,
Du ſteigſt empor, durch tauſend Sonnenheere,
Und miſcheſt dich in reiner Geiſter Choͤre.
Geh ich verſchleiert dicht im Nebelkleide,
Du Juͤngling und du Maͤdchen, dir zur Seite,
So klopft in dir der erſten Liebe Freude,
So nennt dein Herz die gluͤcklichſte der Braͤute.
Doch kann ich auch mich tief in Naͤchte huͤllen! Flieh, flieh, um aller guten Geiſter willen, Die Hoͤllenbilder, die in finſtern Stunden Dein zartes, leichtbewegtes Herz verwunden! Denn hier nur wohn ich! Nur in tiefer Stille Ergießt ſich meiner Krafte ganze Fuͤlle.


