Teil eines Werkes 
5. Bd. (1815)
Entstehung
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2.

Lebensmuth.

Einſt bluͤhte ſchoͤn und anmuthsvoll das Leben, Da Leben noch der Menſchheit Hoͤchſtes war; Da ſtellte wuͤrdig ſich ein heißes Streben Nach Freiheit, wie nach Gluͤck und Liebe dar. Genoſſen ward, was die Natur gegeben, Und jedes Herz war ihr ein Dankaltar; Treu nahm die Kunſt von ihrem Schmuck und Bildern, Des Lobens Zauber göttlich abzuſchildern.

Und du, o Menſch, des alten Sinn's vergeſſen, Du klagſt das Leben truͤb' und feindlich an? Und hoffſt, auf ſeinen Truͤmmern nur, vermeſſen,

Zu ſchaun, die du zerſtörſt, des Gluͤckes Bahn? Was kommen wird, wer hat es je ermeſſen?

Der Zukunft Herold iſt der dunkle Wahn; Der Gegenwart gehoͤrt des Menſchen Streben, Wer ſie verſchmaͤht, der hoͤrt ſchon auf zu leben.