227
zu ſein wie früher; ſie fühlte wohl, daß ſie nach der un⸗ widerruflichen Trennung von ihren Kindern ganz allein in der Welt daſtehe, und der letzte Skandal hatte ſie gegen einen weiteren gewiſſermaßen abgeſtumpft; ſie ver⸗ langte von Graf Stephan nur noch zeitweiligen Aufſchub ihrer Entſchließung.
Da trat das Schickſal überraſchend vor die Verwirk⸗ lichung ſolcher Pläne. Graf Stephan machte, von der ſcheinbaren Wiederkräftigung ſeiner Geſundheit und dem ſchönen Wetter verlockt, ſeinen erſten Ausritt nach der Krankheit. Mochte er wirklich noch zu ſchwach ſein, ein Pferd zu regieren, oder ſpielte der Zufall: er that einen gefährlichen Sturz und zerſchmetterte ſich auf der Stelle den Schädel an einem Baumſtamme; ſeine verſtümmelte Leiche wurde in das Schloß zurückgebracht.
Fürſtin Mathilde war außer ſich; ſie vermochte ſich nicht einmal der Dienerſchaft gegenüber zu beherrſchen und ſtieß die wildeſten, gottesläſterlichſten Klagen aus; es zweifelte nun auch Niemand mehr an dem Verhältniſſe, in dem ſie zu Graf Bielinski geſtanden hatte, und den Leuten wurde vieles ihnen bisher Unbegreifliche klar.
Und heute ſetzte man die Leiche des polniſchen Grafen in dem fürſtlichen Familienbegräbniſſe mit großem Pompe
15*


