Teil eines Werkes 
3. Bd. (1874)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

212

Es war ihr nun auch nicht möglich geweſen, Eva die Wahrheit zu verſchweigen, und ſie hatte viel damit zu thun, dieſe aufrechtzuerhalten, die ſich beſonders anklagte, daß ſie der Aufforderung ihres Mannes, bei Zeiten die Schuld zu decken, nicht nachgekommen war.

Dieſen Fehler, der freilich nur aus einer durch An⸗ dere mißbrauchten Schwäche entſtanden, aber nun ſo ver⸗ hängnißvoll geworden war, konnte ſelbſt Julie ihrer Schwägerin nicht recht verzeihen, aber ſie beherrſchte ſich mit aller Kraft, um dies Eva nicht wiſſen zu laſſen, ſie ſelbſt zu entſchuldigen. Ueberhaupt benahm ſie ſich mit bewunderungswürdiger Energie.

Sie ſchrieb an die Fürſtin, ihre Mutter, machte ihr

gemeſſene, aber doch äußerſt bittere Vorwürfe und theilte ihr mit, was ſie vor Gericht ausgeſagt hatte, dies blos in der ſchwachen Hoffnung, daß die Fürſtin, in welcher die Muttergefühle doch nicht wiederzuerwecken waren, in der Furcht vor Aufdeckung ihrer Schande Alles aufbieten würde, den Prozeß dennoch rückgängig zu machen. Mochte Jene dies nun auch vergeblich verſucht haben oder trotzte ſie Allem, ſie antwortete ihrer Tochter nicht einmal, und Nichts wurde geändert.

Julie und Eva hatten auch an Victor geſchrieben und

8