Teil eines Werkes 
1. Bd. (1858)
Entstehung
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ſucht, nach irgend einem künſtlichen Schmucke zu verlan⸗

en, wenn man in das liebliche Geſicht blickte, das mit ſeinen dunkelblauen Augen eine ſ eelenvolle Güte und Sanft⸗ muth ausſprach, während der leiſe Anflug von Melancho⸗ lie, der darüber gebreitet lag, den anziehenden Reiz noch erhöhte, umſo ungewöhnlicher er bei der blühenden Jugend⸗ friſche der Jungfrau erſcheinen mußte.

Auch Wilm, deſſen Empfindungen durch das Ge⸗ ſpräch mit dem alten Theißen in Bezug auf das Mädchen höher angeregt waren, mußte heute dieſe Bemerkung machen, denn er vergaß, ſie zu begrüßen, und hielt ſeine Augen, ganz in Bewunderung verſunken, feſt auf ſie gerichtet, bis ſie mit lieblicher Stimme ſagte:

‚Haſt Du denn gar keinen Guten Abend für mich, Wilm ſitzeſt Du doch da ſo ſtumm und gedankenvoll, als hätteſt Du Alles um Dich her vergeſſen. 3

Der Jüngling war aufgeſprungen, und nachdem er ſchnell einen ängſtlichen Blick auf die offenſtehenden Fen⸗ ſter geworfen hatte, ob ihn der Alte auch nicht hören könne, ſagte er in herzlichem Tone: 13

floſſen Dich die Abendſtrahlen eben ſ

meinte, ein Engel des Himmels träte zu mir her Beſter Wilm, ſpotte meiner nicht, erwier

unnd verſuchte, ein wenig böſe auszuſe