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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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34 Liden des jungen Werther's.

habe. Du beſtimmteſt im Anfange unſerer Heirath ein Ge⸗ ringes für die Beſtreitung der Küche und anderer häuslichen Ausgaben. Als unſere Haushaltung ſtärker wurde, unſer Gewerbe größer, warſt du nicht zu bewegen, mein Wochen⸗ geld nach dem Verhältniſſe zu vermehren; kurz, du weißt, daß du in den Zeiten, da ſie am größten war, verlangteſt, ich ſolle mit ſieben Gulden die Woche auskommen. Die habe ich denn ohne Widerrede angenommen, und mir den Ueberſchuß wöchentlich aus der Loſung geholt, da niemand vermuthete, daß die Fran die Kaſſe beſtehlen würde. Ich habe nichts verſchwendet, und wäre auch, ohne es zu be⸗ kennen, getroſt der Ewigkeit entgegengegangen, wenn nicht diejenige, die nach mir das Hausweſen zu führen hat, ſich nicht zu helfen wiſſen würde, und du doch immer darauf beſtehen könnteſt, deine erſte Frau ſei damit ausgekommen. Ich redete mit Lotten über die unglaubliche Verblen⸗ dung des Menſchenſinns, daß einer nicht argwohnen ſoll, dahinter müſſe was Anders ſtecken, wenn Eins mit ſieben Gulden hinreicht, wo man den Aufwand um zweimal ſo viel ſieht. Aber ich habe ſelbſt Leute gekannt, die des Pro⸗ pheten ewiges Oelkrüglein ohne Verwunderung in ihrem Hauſe angenommen hätten. 3

Am 13. Julius. Nein, ich betrüge mich nicht! Ich leſe in ihren ſchwarzen Augen wahre Theilnehmung an mir und meinem Schick⸗ ſal. Ja, ich fühle, und darin darf ich meinem Herzen trauen, daß ſie o darf ich, kann ich den Himmel in dieſen Wor⸗ ten ausſprechen? daß ſie mich liebt! Mich liebt! Und wie werth ich mir ſelbſt werde, wie

ich dir darf ich's wohl ſagen, du haſt Sinn für ſo etwas wie ich mich ſelbſt anbete, ſeitdem ſie mich liebt!

Ob das Vermeſſenheit iſt oder Gefühl des wahren Ver⸗ hältniſſes? Ich kenne den Menſchen nicht, von dem ich

etwas in Lottens Herzen fürchtete: und doch, wenn ſie von ihrem Bräutigam ſpricht, mit ſolcher Wärme, ſolcher Liebe von ihm ſpricht da iſt mir wie Einem, der aller ſeiner Ehren und Würden entſetzt, und dem der Degen genom⸗ men wird. 3