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Leiden des jungen Werther's / von J. von Goethe
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Leiden des jungen Werther's. 19 ſichtszügen hervorbrechen, die ſich nach und nach vergnügt

zu entfalten ſchienen weil ſie an mir fühlte, daß ich ſie

verſtand.

Wie ich jünger war, ſagte ſie, liebte ich nichts ſo ſehr als Ramane. Weiß Gott, wie wohl mir's war, wenn ich mich Sonntags ſo in ein Eckchen ſetzen, und mit ganzem Her⸗ zen an dem Glück und Unſtern einer Miß Jenny Theil nehmen konnte. Ich läugne auch nicht, daß die Art noch einige Reize für mich hat. Doch da ich ſo ſelten an ein Buch komme, ſo muß es auch recht nach meinem Geſchmack ſein. Und der Autor iſt mir der liebſte, in dem ich meine Welt wiederfinde, bei dem es zugeht wie um mich, und deſſen Ge⸗ ſchichte mir doch ſo intereſſant und herzlich wird als mein eigen häuslich Leben das freilich kein Paradies, aber doch im Ganzen eine Quelle unſäglicher Glückſeligkeit iſt.

Ich bemühte mich, meine Bewegungen über dieſe Worte zu verbergen. Das ging freilich nicht weit: denn da ich ſie mit ſolcher Wahrheit im Vorbeigehen vom Landprieſter von Wakefield, vom**) reden hörte, kam ich ganz außer mich, ſagte ihr alles, was ich wußte, und bemerkte erſt nach einiger Zeit, da Lotte das Geſpräch an die anderen wen⸗ dete, daß dieſe die Zeit über mit offenen Augen, als ſäßen ſie nicht da, dageſeſſen hatten. Die Baſe ſah mich mehr als einmal mit einem ſpöttiſchen Näschen an, daran mir aber nichts gelegen war.

Das Geſpräch fiel auf's Vergnügen am Tanze. Wenn dieſe Leidenſchaft ein Fehler iſt, ſagte Lotte, ſo geſtehe ich Ihnen gern, ich weiß mir nichts über's Tanzen. Und wenn ich was im Kopfe habe, und mir auf meinem verſtimmten Clavier einen Contretanz vortrommle, ſo iſt alles wieder gut.

Wie ich mich unter dem Geſpräche in den ſchwarzen Au⸗ gen weidete! wie die lebendigen Lippen und die friſchen, muntern Wangen meine ganze Seele anzogen! wie ich, in den herrlichen Sinn ihrer Rede ganz verſunken, oft gar die Worte nicht hörte, mit denen ſie ſich ausdrückte! davan

*) Man hat auch bier die Namen einiger vaterländiſchen Autoren wegge⸗ laſſen. Wer Theil an Lottens Beifalle hat, wird es gewiß an ſeinem Herzen ſfen⸗ wenn er dieſe Stelle leſen ſollte, und ſonſt braucht es ja Niemand zu

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