Funftes Capitel.
Die Kinder haben, fuhr Wilhelm fort, in wohleit⸗
gerichteten und geordneten Haͤuſern eine Empfindung, wie ungefaͤhr Ratten und Maͤuſe haben moͤgen; ſie ſind aufmerkſam auf alle Ritzen und Loͤcher, wo ſie zu ei⸗ nem verbotenen Naſchwerk gelangen koͤnnen; ſie genießen es mit einer ſolchen verſtohlnen wolluͤſtigen Furcht, die einen großen Theil des kindiſchen Gluͤcks ausmacht.
Ich war vor allen meinen Geſchwiſtern aufmerkſam, wenn irgend ein Schluͤſſel ſtecken blieb. Je größer die Ehrfurcht war, die ich fuͤr die verſchloſſenen Thüren in meinem Herzen herumtrug, an denen ich Wochen und Monate lang vorbeygehen muſſte, und in die ich nur manchmal, wenn die Mutter das Heiligthum oͤffnete, um etwas heraus zu holen, einen verſtohlnen Blick that; deſto ſchneller war ich, einen Augenblick zu benutzen, den mich die Nachlaͤſſigkeit der Wirthſchafterinnen manchmal treffen ließ.
Unter allen Thuͤren war, wie man leicht erachten kann, die Thuͤre der Speiſekammer diejenige, auf die meine Sinne am ſchaͤrfſten gerichtet waren. Wenig ah⸗ nungsvolle Freuden des Lebens glichen der Empfindung, wenn mich meine Mutter manchmal hineinrief, um ihr
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