214
wir ſeit einigen Monaten verfolgt haben, mit der Ge⸗ ſchichte des königlichen Hauſes verflochten, als daß nicht ſchon in den erſten Stunden, die das königliche Paar im einſamen Geſpräch zuſammen verlebte, die Rede auf ſie gekommen wäre. Mochten die Ereigniſſe, welche Stanislaus im Laufe eines Jahres die Krone Polens gegeben, genommen und wiedergegeben hatten, für ihn, den Mann und Staatsbürger, auch an der Spitze alles Erlebten ſtehen,— für die Königin, für die Mutter waren der Verluſt und der Wiedergewinn ihres Lieblings das Erſte und Höchſte.
So ſtreute ſie denn auch in die Zukunftspläne, die alle Glücklichen ſich machen, ſogleich ihre Abſichten für die ihr lieb und wichtig gewordenen jungen Leute ein, die ihr Kind ſo treu behütet hatten. Ihr Frauen⸗ inſtinkt hatte längſt aus Martha's Erzählungen heraus⸗ gefühlt, daß das perſönliche Geſchick des jungen Mäd⸗ chens tiefer in die Ereigniſſe die ſie berichtete, ver⸗ webt ſein mußte, als ſie zugeben wollte. Der liebreichen Güte womit ſie Martha's Vertrauen zu gewinnen ſuchte, gelang es bald ein offenes Geſtändniß alles Erlebten aus ihr zu locken, und mit tiefer Rührung ſagte ſich die Königin, daß hier mehr als Pflichter⸗ füllung ihrem Kinde zu Theil geworden ſei. Mit leb⸗ hafter Empfindung beſchloß ſie Martha's Herzensglück
—


