Die Entſtehung und der Zweck dieſes Buches; als Einleitung.
In einer Winternacht wurde ich an das Bett eines ſter⸗ benden Freundes gerufen. Ich fand ihn aufrecht ſitzend, in ſeinen Kiſſen, bleich und zitternd; aber jene dunkelen Schat⸗ ten nicht fürchtend, die ſich dichter und dichter um ſeine Seele legten. Seine weißen Haare fielen über die blaſſe, feuchte Stirn, und ſein dunkelgraues Auge glühte von unnatürlichem Feuer, dem ſicheren Vorboten des Todes.
Der alte K— war ein eeigener, wunderlicher Mann ge⸗ weſen; durch und durch Advokat, aber ohne Ruf, ohne An⸗ ſtellung, hatte er ſtill ſeine eigene Bahn verfolgt und reich⸗ lich verdient, was er zu ſeinem Lebensunterhalt bedurfte. In einer Stadt aber, wo Niemand einen Freund hat, dem nicht Geld, dem nicht Reichthum zu Gebote ſteht, war eben dieſer alte, ſtille Advokat mein Freund geweſen und jetzt ſaß ich in ſeiner letzten Stunde neben ſeinem Lager, neben
ſeinem Todtenbette.. 1 X


