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Fritz Beutel : eine Münchhauseniade / von Hermann Marggraff
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Regimentern erblickten, die in einem fortwährenden fürchterlichen Nieſen begriffen waren und daher nicht daran denken konnten, ſich ihrer Schießgewehre zu bedienen. Aehnlich ging es den Mannſchaften eini⸗ ger hier aufgeſtellten Batterien. Proſit! Proſit! riefen unſere Sol⸗ daten, denen dieſer Anblick keinen geringen Spaß machte. Die Poſition wurde ſomit im erſten Anlauf genommen, die ruſſiſche Stellung war durchbrochen, die Schlacht gewonnen, und nur hieraus erklärt ſich der große Menſchenverluſt der Ruſſen, der den unſern unverhältnißmäßig überſtieg.

In dieſer Schlacht kam der gewiß ſeltene, vielleicht nie dageweſene Fall vor, daß einzelne ruſſiſche Regimenter hunderte von Todten mehr auf dem Platze ließen, als lebend in ihren Reihen gegen uns geſtan⸗ den hatten. So ſehr überſtieg das Gemetzel, das wir unter den Ruſſen anrichteten, allen Glauben! Uns aber ſchadeten die feindlichen Kugeln nicht ſehr, da wir ſo gedrängt ſtanden, daß ſie meiſt ohne Nachtheil für uns auf unſern Schultern liegen blieben.

Zur Erklärung meines genialen militäriſchen Manövers muß ich bemerken, daß ich mich während des Donaufeldzugs in meinen ſehr zahlreichen Mußeſtunden mit der Bereitung von Schnupftabak be⸗ ſchäftigt hatte und daß es mir gelungen war, durch gewiſſe chemiſche Mittel einen Tabak herzuſtellen, der zwar nicht augenblicklich wirkt, dann aber auch ein mindeſtens halbſtündiges ununterbrochenes Nieſen zur Folge hat. So und in keiner anderen Weiſe wurde die Schlacht an der Alma gewonnen, was auch die im Intereſſe St. Arnaud's verfaßten fran⸗ zöſiſchen Kriegsberichte ſagen mögen. Der Wahrheit die Ehre! dem beſcheidenen Verdienſte ſeine Krone!

Fürſt Mentſchikoff zog ſich nun mit den Trümmern ſeiner Regimenter, unter denen Einzelne noch bis mitten in die Feſtung hinein niesten Hals über Kopf hinter die Mauern von Sebaſtopol zurück, hinter denen er verſchwand wie das Mäuschen im Mauſeloch. Wir drangen ihm auf dem Fuße nach, bis uns das Feſtungsthor vor der Naſe zugeſchlagen wurde, was wir ſehr unhöflich fanden; denn ich und meine Collegen hatten mit Fug und Recht erwartet, Fürſt Mentſchikoff werde als artiger und gebildeter Mann am Thore ſtehen und uns einladen, ob es uns nicht gefällig ſei, mit hineinzuſpazieren und ein Gabelfrühſtück bei ihm einzunehmen. Die unerwartete Unhöflichkeit, mit der man uns begegnete, kam uns

D. B. X. Fritz Beutel, v. Marggraff. 26