Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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292 Zwanzigſtes Kapitel.

ſtücke, fallen eben ſo natürlich von ihren Stelzen herab und kommen dann, was am allernatürlichſten iſt, mit blutigen Naſen

nach Hauſe.

Bald aber verſchwinden ſämmtliche Stelzen— ſie ſind für dieſes Frühjahr aus d ode gekommen, und es iſt zu Anfang Mai nicht mehr uware ſich auf ihnen ſehen zu laſſen. Jetzt bilden Kirchen und andere große öffentliche Gebäude den Ver⸗ ſammlungspunkt der ſpielluſtigen Jugend, namentlich auf der Sommerſeite derſelben, wo die warme Sonne Schnee und Regen ſchnell wegtrocknet und wo die breiten, warmen Steine ſo freund⸗ lich zum„Anwerfen“ einladen. Da ſitzt die kleine Generation in großen Haufen beiſammen, klebt an dem Gebäude feſt und ſchwärmt durch einander herum, wie über ihrem Haupte die Fliegen und Bienen. So wie aber die Sonne ſtärker wird und die Straßen und Plätze allmählig anfangen, ihre winterliche Feuchtigkeit zu verlieren und hübſch ſolid aufzutrocknen, ſo ziehen die Kinder ſich auch von den Mauern der Sommerſeite hinweg⸗ breiten ſich in den Straßen aus, ſchlagen den Reifen, werfen den Kreiſel, die Maͤdchen ſpielen mit bunten Steinkugeln und werfen Knöchel auf, die Buben ſpielen Räuber und Gensd'armen, man ſieht bunte Bälle auffliegen, und Nachmittags nach vier Uhr ſind die Hauptplätze der Stadt bedeckt mit dem kleinen luſti⸗ gen Volk.

Es iſt merkwürdig, wie faſt in allen Städten Deutſchlands, wenn ſte auch ſonſt durchaus keine Aehnlichkeit mit einander haben, wenn in jeder andern Beziehung hier und dart die Lebens⸗ weiſe vollkommen verſchieden iſt, doch die Kinderſpiele ſich in ihrer Art und Reihenfolge ſo vollkommen ähnlich ſind. Man fängt faſt überall im Frühjahre mit dem Stelzenlaufen an und hört im Spätherbſt mit dem Papierdrachen auf; auch die Art der Spiele iſt fich durchaus ähnlich: man ſpielt in Stettin und