Teil eines Werkes 
1. Bd. (1851)
Entstehung
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Zweites Kapitel.

Unter dem Stadtgraben.

1 Wenn der alte Stadtgraben ſchon am hellen Tage bei 4 Sonnenſchein ein unheimlicher und trübſeliger Aufenthalt war, ſo konnte man ihn wirklich troſtlos nennen, wenn man ihn an einem Abende betrat, wie an demjenigen, an welchem unſere namenloſe Geſchichte beginnt.

Es war ein unfreundlicher, trüber Novembertag; dichte Nebel, welche die Erde einhüllten, hatten Vor⸗ und Nachmittags kräftig mit einander gerungen, bald waren ſie aufgeſtiegen und

bedeckten die Höhen rings um die Stadt mit ſchweren, grauen Kuppen, bald ſanken ſie auf den Erdboden nieder und hüllten dort Alles ſo dicht ein, daß man, auf der Straße gehend, nicht

1 auf drei Schritte deutlich bemerkte, ob einem ein Menſch, ein ¹ Pferd oder ein Wagen begegnete; dazu war es naßkalt, das Pflaſter feucht und ſchlüpfrig, und man mußte feſt auftreten, um

nicht auszugleiten. Was der Nebel ſchon am Morgen hätte thun ſollen, nämlich vollſtändig auf die Erde herab kommen, das that er erſt am Abend, indem er ſich in einen feinen, ſcharfen Regen auflöste, der mit einigem Schnee vermiſcht, den Dahinwandelnden vom Wind unangenehm in das Geſicht geweht wurde. Dabei