Ruhig war der See, der Tag fing an zu grauen. Die Schneegebirge und die ewigen Eismaſſen jenſeits des Genferſee's, die den Bewohnern der kleinen Stadt Lauſanne eine ſo herrliche Ausſicht gewaͤhren, faͤrbten ſich bereits mit leichtem Purpurſchimmer.— Sir Harry Seymour, ein junger, ſeit drei Monaten in Lauſanne anweſender Englaͤnder, war ſchon aufge⸗ ſtanden und angekleidet. Er oͤffnet das Fenſter, ſein Auge haftet an den durch die Liebeathmende Dichtung des Genfer Philoſophen ſo beruͤhmt gewordenen Fel⸗ ſen.„O Meiflerie, rief er, ſei mir gegruͤßt, trotz „dem aus dem See emporſteigenden Nebel, der Dich „den profanen Blicken der Alltagsmenſchen verhuͤllt, „unterſcheide ich Deine maleriſchen Formen, und „meſſe Deine Grauſen erregende Hoͤhe! Gefeierter „Felſen, ſtets wirſt Du der ungluͤcklichen Liebe ein „intereſſanteres Denkmal, als Italiens Obelisken „und Aegyptens Pyramiden ſeyn!....c
Seymour ſchließt jetzt ſein Fenſter, ergreift ſeinen Hut, und eilt ſeinen Freund Werner aufzuſuchen, der
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