Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Aubry. 337

nahme der Konſtitution ſtimmen ſollten, und begünſtigte am 13. Ven⸗ démiaire 4. die Verſuche der Sectionen gegen die National⸗Re⸗ präſentation. Der Unwille der republikaniſchen Konventsdeputir⸗ ten war auf's höchſte geſtiegen. Sie nahmen Aubry für den ſchlech⸗ ten Erfolg des Rheinübergangs in Anſpruch, und erwirkten gegen ihn, als einen, der die Armeen desorganiſire, ein Anklage⸗Dekret. Allein dieſe Sache blieb ohne Folgen, und Aubry trat in den Rath der 500, wo er die nämlichen Grundſätze offenbarte. Er bekämpfte die Meinung der Mitglieder, welche Camus Vorſchlag einer allge⸗ meinen Amneſtie verwarfen, und ließ über das Geſetz vom 3. Bru⸗ maire, das die Adelichen und Verwandten der Emigrirten von öf⸗ fentlichen Stellen ausſchloß, Bericht erſtatten. Auch bewirkte er die Annahme eines peinlichen Geſetzbuches für das Militär, das noch beſteht, deſſen gänzliche Reviſton aber man höchlich wünſcht. Als Aubry ſah, daß er die Zielſcheibe einer allgemeinen Feindſchaft war, wollte er mit Kühnheit widerſtehen. Die Menge ſeiner vor⸗ geſchlagenen Maasregeln gingen hauptſächlich gegen das Direkto⸗ rium. Als Mitglied des Ausſchuſſes der mit der Polizei des Saals beauftragten Inſpektoren und der Garde des geſetzgebenden Corps, begehrte er die Vermehrung dieſer Garde, und ſchlug vor, ſie un⸗ ter den unmittelbaren Befehl des Ausſchuſſes zu ſtellen, denuncirte die nahe Ankunft der Truppen in der Gegend von Paris*) und das Konſtitutionswidrige ihrer Bewegungen, beklagte ſich über eine Menge willkührlicher Abſetzungen, und trug darauf an, über alle dieſe Handlungen von dem Direktorium Erklärung zu fordern. Der 18. Fructidor 5 ſtürzte die elichianiſche Partei. Aubry, der

eins ihrer Häupter war, wurde verhaftet, zur Deportation verur⸗

theilt, zu Rochefort eingeſchifft, und nach Cayenne geführt, von wo er am 4. Juni 1797, mit Pichegrü und mehreren andern Ver⸗ wieſenen, auf einer Piroque*) entrann, die ſie nach Demerary brachte. Alle Biographieen, eine ausgenommen, melden, daß Au⸗ bry auf dieſer Inſel ohngefähr 49 Jahre alt, ſtarb. Dies iſt ein Irrthum. Denn man weiß, daß dieſer Deportirte von Demerary

*) Das Direktorium ließ, der Konſtitution zuwider, von der unter Hoche's

Befehl ſtehenden Sambre⸗ und Maasarmee, Truppen nach Paris mar⸗

ſchiren, um ſeine Plane gegen die elichianiſche Partei, wovon ein Theil die Wiederherſtellung der Bourbons, ein anderer aber nur die Er⸗ baltung der geſetzlichen Ordnung wollte, zu unterſtützen. Dies bewirkte

die Neaction vom 18. Fructidor§. G. *) Ein aus einem einzigen Baum gezimmertes Boot, deſſen ſich die Wil⸗ den in Amerika, beſonders die Caraiben, bedienen. G.

Reue Biograph. I. 22