334 Aubry de Gonges. Aubry.
bald und ſehr theuer. Indem ſie die Hoffnungen für National⸗ Ruhm und Unabhängigkeit theilte, wollte ſie die Verbeſſerung der Mißbräuche, und nicht Frechheit und Unordnungen. Sie hing leidenſchaftlich an den ruhmvollſten Männern und den trefflichſten Genien dieſer Zeit; denn bloße Bewunderung war nur Kaltſinn für einen ſo glühenden Kopf. Aber indem ſie dieſe Männer lobte, ließ ſie keine Gelegenheit vorbeigehen, der Freiheit, welche ihr Haupt⸗Idol war, ihren Tribut zu entrichten. Robespierre und Marat zerſtörten ihre geliebten Täuſchungen; ſie ſah mit Schau⸗ dern die Heuchelei des einen und die Unverſchämtheit des andern Frinkreich mit Verbrechen und Blut bedecken. Sie hatte den Muth, dieſe Menſchen mit Wafſen anzugreifen, die freilich ſehr ſchwach waren, deren Wunden ſie aber fühlten. Die Preßfreiheit war da aber auch das Geſetz für die Verdächtigen. Es erſchien von ihr eine merkwürdige Broſchüre: Die drei Urnen, oder das Heil des Vaterlandes. Der Erfolg dieſer Schrift war das Verderben der Verfaſſerin, welche das Mémoire zu Gunſten Ludwigs JVI. ſchon geächtet hatte. Sie ward den 28. Juli 1793 verhaftet, in die Abtei, und hierauf in die Conciergerie ge⸗ führt, erſchien alsdann vor dem Revolutions⸗Tribunal, und hörte mit Feſtigkeit ihr Todesurtheil, welches den 4. November geſpro⸗ chen und vollzogen wurde. Das Dicetionnaire historique meldet ohne Beweis, daß ſie bei Anhörung des Urtheils ſich für ſchwanger erklärt habe. Es iſt wenig edel, die Sitten einer Frau⸗ die ſchon 15 Jahre Wittwe war, am Schaffott, auf das ſie ihr Muth brachte, anzugreifen. Frau von Gouges hatte einen Sohn/ der bei den Armeen diente, und im Anfang d. J. 1793 ungerechter Weiſe abgeſetzt ward.— Die Werke dieſer Dame ſind ſehr zahl⸗ reich. Der kleine Almanach unſerer großen Frauen meldet, daß Mad. Aubry de Gouges, um ihre außerordentliche Leichtigkeit zu beweiſen, ſich erbot, in 24 Stunden ein Drama über jeden ihr vorgeſchlagenen Stoff zu liefern. Sie ſchrieb mehrere Theaterſtücke, auch, außer den genannten, manche politiſche Schriften.
Aubry(Mademoiſelle), Figurantin im Ballet der gro⸗ ßen Oper, zeichnete ſich durch die Schönheit ihrer Formen aus, und wurde folglich gewählt, bei den Ceremonien, durch welche die Beſeſſenen von 1793 den religiöſen Kultus erſetzen wollten, die Vernunftsöttin vorzuſtellen. Dieſe Rolle war ihr weniger gefährlich, als die der Göttin des Ruhms, welche ſie öfter auf der Bühne gab. Einer der Stricke, woran ihr Luftwagen hing,⸗


