Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Aubry. Aubry de Gouges. 333

modernes etc. Sein 1804 erſchienenes Buch: Nouvelle Théorie des Etres wurde im Journal des Débats übel behandelt. Er antwortete Geoffroi und Mongin durch apo⸗ logetiſche Briefe. Sein neuer Nentor entfernt ſich von der gewöhnlichen Art der übrigen Schriften dieſes Verfaſſers. Er gibt klare, beſtimmte und intereſſante Grundlehren über Wiſſen⸗ ſchaften, ſchöne Literatur und Kunſt. Aubry hat nützliche und ge⸗ lehrte Werke, die mehr moraliſch, als angenehm, ſind, hervor⸗ gebracht. Er ſchrieb mehr unter dem Einfluß der Vorurtheile, als unter dem der Philoſophie. Doch war er,(gegen den Gebrauch derjenigen, welche die Ideen anderer wieder geben, und ſehhe, um ſie ſich anzueignen, entſtellen,) ſo gerecht, freimüthig zu be⸗ kennen, daß er ſelten anders Bücher verfertige, als mit Büchern.

Aubry de Gouges(Maria Olympia), geboren zu Mon⸗ tauban 1755,(und nicht 1735, wie der Abbé Feller beyauptet,) kam mit ihrer Familie im Alter von 18 Jahren nach Paris, und machte ſich durch ihre Schönheit bemerklich. Es fehlte ihr nicht an Einbildungskraft; auch war ſie nicht geiſtlos. Begierig nach Celebrität, ſuchte ſie ſolche anfänglich im Fache der Literatur, worin ſie weniger Talent als Empfänglichkeit zeigte. Luſtſpiele, Dramen, welche die Schauſpieler verweigerten oder das Publikum verwarf, ſchon vergeſſene Romane, dies ſind ihre literariſchen Ur⸗ kunden. Wahrſcheinlich würde der Name der Mad. Aubry de Gouges mit ihr geſtorben ſeyn, hätte ſie ihn nicht an zwei merkwürdige politi⸗ ſche Thatſachen geknüpft. Die erſte derſelben iſt, daß ſie die einzige Frau war, welche den Muth hatte, nach der Ehre zu ſtreben, Ver⸗ theidigerin Ludwigs XVI. zu ſeyn; und die zweite, weniger ehren⸗ volle, daß ſie die Stifterin der Volksgeſellſchaften von Frauen war, die man Strickerinnen(Tricoteuses) nannte. Als die Re⸗ volution ausbrach, war Frau von Gouges ohngefähr 35 Jahre alt. Die Begeiſterung, welche ſich aller Köpfe bemächtigte, entflammte auch den ihrigen. Schon als gelehrte Frau hatte ſie ſich gewiſſer⸗ maßen in einen Mann verwandelt. Sie hatte keine Furcht, in der revolutionären Arena*) Erfolge zu ſuchen, die ſie als drama⸗ tiſche Sehrifätellerin nicht gefunden, und bezahlte ihre Unklugheit

*) Die Arena war ein großer mit Sand beſtreuter Platz in der Mitte des römiſchen Amphitheaters, wo die Kampfſpiele der Gladiatoren und wilden Thiere gehalten wurden. Die Revolution entlehnte gern Aus⸗ drücke des alten Roms. G.

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