Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Aubert. Aubier. 331

derholten Malen der Gazette de France. In einer wohl⸗ geordneten und gelehrten Abhandlung ſuchte er die Grundſätze J. J. Rouſſeau's über die franzöſiſche Muſik zu widerlegen, welche durch die Geſänge Gluck's, Grétry's, Mehul's und Catel's noch beſ⸗ ſer widerlegt worden ſind. Aber den wahren literariſchen Beruf geben ihm ſeine Fabeln. Ziemlich natürlich, ohne das unnachahm⸗ liche Gehenlaſſen des argloſen Menſchen*) zu haben, von ziem⸗ lich reiner Schreibart, ohne der Feinheit La Mothe's und der An⸗ muth Florian's beizukommen, bleiben ſie immer originell und in ihrer Gattung empfehlungswerth. Eine gewiſſe ſpruchreiche und kauſtiſche Philoſophie miſcht ſich in die Naivetät der Fabel. Man erkennt leicht das Jahrhundert der d'Alemberts und Chamforts. Wenn jedoch Urtheil, Wahl des Stoffs, und Talent im Ausfüh⸗ ren, den Rang, welchen der Patriarch von Ferney dem Abbé Aubert eingeräumt hat, rechtfertigen können, ſo wird es auch er⸗ laubt ſeyn, mit Stadius dabei zu ſagen: Longo, sed proxi- mus, intervallo.

Aubier(Emanuel), aus einer ſehr angeſehenen Familie in Auvergne, wurde zu Clermont, den 20. September 1749, ge⸗ boren, und erkaufte, nach dem Zeitgebrauch, eine Hofcavalierſtelle bei Ludwig XVI.; aber in der Folge ſchloß er ſich auch mit ſehr ehrenvoller Beſtändigkeit dieſem unglücklichen Fürſten an. Aubier war einer der fünf Männer, welche am 10. Auguſt den König un⸗ aufhörlich vertheidigten, und ihm in die geſetzgebende Verſamm⸗ lung nachfolgten, als er ſich entſchloß, dorthin zu gehen, um das Blutvergießen zu hemmen. Er blieb im Vorzimmer des Gemachs, wo man den König gefangen hielt, brachte daſelbſt die zwei Nächte zu⸗ welche der Verſetzung der königlichen Familie in das Tempel⸗Ge⸗ fängniß vorhergingen, und legte, als man ihn endlich ſich zu ent⸗ fernen zwang, eine Börſe, mit 50 Louisd'or gefüllt, auf den Tiſch Ludwigs XVI. Dies war alles Geld, was er damals beſaß. Aubier zog ſich hierauf nach Deutſchland zurück. Als er das Ur⸗ theil des Königs vernahm, drang er in den General Dumouriez und in den franz. Geſandten im Haag, ihm die Erlaubniß auszu⸗ wirken, vor den Schranken der Nat. Verſammlung erſcheinen zu dürfen. Er wollte gegen den Vorwurf zeugen, daß Ludwig ſchrift⸗

lichen Befehl gegeben habe, auf das Volk zu ſchießen. Da er keine

*) Mir ſchien dieſer Ausdruck am paſſendſten für das franzöſiſche: Bon- homme; nätnlich ein Menſch, der arglos ſcherzt, ohne übels da⸗ bei zu denken. G.