Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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328 Aubert du Bayet.

volution, ging 1780 als Unterlieutenant nach Amerika, wurde während des Kriegs für die Unabhängigkeit Capitän, und kehrte einige Zeit vor der Revolution nach Frankreich zurück. Anfänglich ſchien er nicht die neuen Grundſätze anzunehmen, und gab ſelbſt eine heftige Broſchüre gegen die Juden heraus worin er, wegen ihres raubſüchtigen Geiſtes, die Gefahr vorſtellte, ſie Theil an der öffentlichen Verwaltung nehmen zu laſſen. Aber bald zogen ihn die Patrioten auf ihre Seite, und das Wahlkollegium des Dep. der Iſere(Dauphiné) ernannte ihn zum Deputirten bei der geſetzge⸗ benden Verſammlung. Unter anderem ſchlug er vor, daß der Kö⸗ nig von den fremden Mächten verlange, ihren feindlichen Anſtalten zu entſagen, und die Emigranten⸗Corps, die ſich an der Grenze gebildet, aufzulöſen. Er ſprach ſich ſtark für den Krieg gegen Oeſterreich aus. Auch vertheidigte er La Fayette und Duport Du⸗ tertre, welche von den Girondiſten und Anarchiſten wechſelsweiſe angegriffen waren, und widerſetzte ſich kräftig einer allgemeinen Föderation. Er wollte ferner, daß die geiſtliche Tracht verboten werde; aber er widerſetzte ſich dem Verbrennen der alten Regiments⸗ fahnen. Für das Geſetz der Eheſcheidung gab er ſeine Stimme. Merkwürdig iſt, daß er nach den Vorfällen des 10. Auguſts nie mit der Minorität, welche durch die Umwerfung der Conſtitution all⸗ mächtig geworden war, votirte. Nach der Auflöſung der Verſamm⸗ lung nahm Aubert wieder Militärdienſte. Er wurde Capitän im Regiment Bourbonais, hierauf Obriſtlieutenant im Reg. Saintonge, und nach 1792 Brigade⸗General. Er befand ſich 1793 in der Be⸗ lagerung von Mainz, deſſen Uebergabe ihm ein Anklag⸗Dekret zu⸗ zog. Aber ein darüber abgeſtatteter Bericht gab ihm den 4. Auguſt die Freiheit wieder. Er ſtellte ſich vor die Schranken der Nat. Convention, und wußte ſich und die Garniſon ſo wohl zu rechtfer⸗ tigen, daß ihm der Präſident den Bruderkuß ertheilte. Hierauf marſchirte er mit der Mainzer Beſatzung*) nach der Vendée, und erlitt einen großen Stoß bei Cliſſon, wo er ſein Gepäck, ſeine Ar⸗ tillerie, und 800 Mann verlor. Doch erſetzte dieſer General bald wieder ſeinen Unfall durch verſchiedene Vortheile, die ihm den guten Erfolg eines Angriffs, den er bei Mortagne unternehmen wollte, ſicherten. Im Begriff, das Gefecht zu liefern, erhielt er

*) Die geſchickte und heldenmüthige Vertheidigung derſelben wurde von den Belagerern allgemein anerkannt und gewürdigt. Auch nahm durch ihre tapfere Beihülfe der Vendéekrieg für die Republikaner bald eine beſſere Wendung. G.