dAnſe de Villoiſon. 243
Dies Werk erwarb ihm die Aufnahme in die Akademie der Inſchrif⸗ ten und ſchönen Literatur. Er hatte dafür noch nicht das erfor⸗ derliche Alter, weil er erſt 22 Jahre zählte. Aber die Geſellſchaft bewirkte für ihn eine Ausnahme, welche bisher noch keinem andern geſtattet war. Er wurde hierauf bald Mitglied der vorzüglichſten gelehrten Societäten Europa's. In jener las er ſeine Unterſu⸗ chungen über die nemeiſchen Spiele, und kritiſche Unterſuchungen über das Neugriechiſche vor. Das Journal des Savans vom Juni 1773 enthält ein Schrei⸗ ben von Villoiſon, worin er die Verbeſſerung einer Stelle in Sophokles Oedipus der König vorſchlägt. Dieſe ward aber von den Philologen Vanvilliers und Brunck verworfen. 1778 gab er eine griechiſche und lateiniſche Edition des Schäferromans Daphnis und Chloe, von Longus*), mit ſehr ſchätzbaren An⸗ merkungen. In dem nämlichen Jahr reiſte er, auf Koſten der Re⸗ gierung, nach Venedig, um die Manuſcripte der St. Marcus⸗Bi⸗ bliothek, welche der Kardinal Beſſarion im 15. Jahrhundert aus Griechenland gebracht, zu unterſuchen. Er ſchöpfte daſelbſt großen Theils die Materialien zu einer hiſtoriſchen, mythologiſchen und philologiſchen Sammlung, die er zu Venedig 1786 unter dem Ti⸗ tel: Anecdota graeca e regia Parisiensi et e VenetaSane- ti Marci deprom pla, 2 Vol. erſcheinen ließ. In dieſer Bibliothek ſammelte Villoiſon auch die alten Scholien von Alexan⸗ dria über den erſten der Dichter, und benutzte dieſelben mit eben ſo viel Geſchmack als Urtheil in ſeiner Ausgabe der Iliade Ho⸗ mers, die zu Venedig 1788 erſchien. Dies Werk drückte den Stem⸗ pel auf ſeinen Ruhm, und erwarb ihm die Glückwünſche des ge⸗ lehrten Europa, welches ihm den glorreichen Titel: Homer’s Retter, verlieh. Auch gab er in Venedig 1783 eine kritiſche Schrift über einige Stellen des Fürſten der Arzneikunde heraus:
pistola ad Virum Lorry, de locis quibusdam
ippocratis, heraus. Zudem copirte er in der St. Marcus⸗ —O—O—:—C—C—C—O—O—
N *) Dieſer reizende Schäferroman, für deſſen Verfaſſer man Lon⸗ gus, einen ſpäteren Erotiker hält, und der in anmuthiger Dar⸗ ſtellung, Naivetät und ſchöne Sinnlichkeit athmet, verdient nicht blos von Gelehrten, ſondern von allen Freunden der Poeſte, ge⸗ kannt zu ſeyn. Man hat eine gute franz. Ueberſetzung von Amiot, und, meines Wiſſens, zwei deutſche. Florian will(wiewohl etwas übertrieben) ihn ſelbſt über Theokrit und Virgil ſetzen, und tadelt nur einige zu freie Gemälde. Bemerkenswerth iſt, daß die⸗ ſer Noman unſern Geßner auf den Gedanken brachte, ſeine ſchö⸗ ne Hirtenerzählung Daphnis zu ſchreiben. G.


