Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Anquetil du Perron. Anſart. 241

der Perſon eines andern Greiſes, der wenige Schritte von hier viſt und ſehr unglücklich zu ſeyn ſcheint. Was mich betrifft, ſeyen Sie verſichert, daß ich es nicht bin und nicht ſeyn kann. Als er bei der Wiederorganiſirung des Inſtituts zu deffen Mitglied er⸗ nannt wurde, hielt er ſich für ſehr reich.Nennen Sie mir, ſagte er zu einen ſeiner Freunde,eine ehrbare Familie, die der Hülfe bedarf; ich kenne deren keine mehr. Ich habe jeden⸗Monat 100 Franken, die mir nichts nützen. Auch machte er ſich bald von dieſem Reichthum los; denn er trat aus dem Inſtitut, weil er ſich weigerte, den Reichskonſtitutionen den Eid zu leiſten. Der näm⸗ liche Uneigennutz und der edelſte Patriotismus waren Urſache, daß er in England 30,000 Livres für ſeine Ueberſetzung des Zend⸗ Aveſta verweigerte. Der Tod entriß ihn 1805, als er eine Ueber⸗ ſetzung der Reiſe des P. Paulin de St. Barthelemy nach Indien revidirte, wovon er die erſten Theile herausgab. Sylveſtre de Sacy beſorgte den Druck nach ſeinem Tode. Anque⸗ til du Perron überſetzte auch den lateiniſchen Traité sur PEglise, von dem berühmten Doctor Legros. Er wird mit Recht unter die gelehrteſten Männer des 18. Jahrhunderts gezählt, und es iſt nur zu bedauern, daß die Sonderbarkeit und Rauhheit ſei⸗

ner Sitten, der Geſellſchaft das Beiſpiel ſeiner Tugenden raubte, die eines beſſern Zeitalters würdig waren.

Anſart(Dom Andreas Joſeph), Benedictiner, war 1723 in der Provinz Artois geboren. Man will wiſſen, daß er, als Prokurator, mit der Ordenskaſſe, die ihm in Verwahr gegeben worden, entfloh. Er trat hierauf als Kapellan in den Malteſer⸗Or⸗ den*), und ließ ſich ſpäter als Parlamentsadvokat und Doctor der Rechte zu Paris aufnehmen. Endlich wurde er Pfarrer zu Ville⸗ conin bei Etampes. Man hat von ihm mehrere Schriften, unter andern: Dialogen über den Rutzen der rentirten Mönche. 1768. Dieſer angebliche Nutzen, den zu widerlegen damals noch nicht an der Zeit war, ſcheint 20 Jahre ſpäter keinen großen Eindruck auf die Nationalverſammlungen Frankreichs ge⸗ macht zu haben. Das nützlichſte, was Anſart gab, iſt ſeine lite⸗ rariſche Bibliothek der Landſchaft Maine, eine hiſio⸗ riſche und kritiſche Abhandlung. Er war Mitglied einiger litera⸗ riſchen Geſellſchaften, unter andern der Akademie von Arras und Oᷓʒ

*) Dieſer beſtand bekanntlich aus eigentlichen Nittern, die mit dem ihnen untergebenen Militär den Waffendienſt übten, dann aus Geiſtlichen, die in Kapellanen(Conventuels) und Servienten eingetheilt waren. G.

Neue Biograph. I. 16