Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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240 Anquctil du Perron.

oder Unterſuchung des Despotismus in der Türkei⸗ Perſien und Hindoſtan. Er bemüht ſich vorzüglich, zu be⸗ weiſen, daß es dort Geſetze giebt, die ſowohl für den Beherrſcher als für die Nation verbindlich ſind. Außerdem hat man von ihm hiſtoriſche und geographiſche Unterſuchungen über Indien, und ein Werk über den Handel. Aus Frankreich ſchrieb Auquetil an die Braminen, um ſie zur Ueberſetzung der alten indiſchen Bücher in das Perſiſche zu bewegen. Er ſchildert ihnen ſeine Lebensart fol⸗ gendermaßen:Brod mit Käſe, im ganzen A franzöſiſche Sols oder das A einer indiſchen Rupie werth, und Brunnenwaſſer⸗ dies iſt meine tägliche Nahrung. Ich lebe ohne Feuer, ſelbſt im Winter, ſchlafe ohne Bettücher, ohne Federn. Meine Waſche iſt weder gewechſelt, noch gelaugt. Ich nähre mich von meinen li⸗ terariſchen Arbeiten, ohne Einkommen, ohne Gehalt, ohne Stelle. Ich habe weder Frau, noch Kinder, noch Dienerſchaft. Der Güter beraubt, auch der Verbindungen mit dieſer Welt entle⸗ digt, allein, gänzlich frei, aber ein wahrer Freund aller Men⸗ ſchen, und beſonders rechtſchaffener Leute, in dieſem Zuſtand hart gegen meine Sinne kämpfend, triumphire ich über die Reize

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der Welt, oder verachte ſie. Mit Wärme nach dem höchſten und

vollkommenſten Weſen emporſtrebend, erwarte ich voll Ungeduld

die Auflöſung meines Leibes. Ludwig XVI. wollte einer gewiſ⸗ ſen Anzahl Gelehrter Belohnungen ertheilen, und Anquetil du Perron war für 3000 Franken auf die Sr. M. vorgelegte Liſte ge⸗ ſetzt. Nur fand man ſchwierig, ihn zur Annahme dieſer Summe zu bewegen. Einer ſeiner Kollegen übernahm den delikaten Auf⸗ trag. Nachdem derſelbe vergebens alle Mittel der Ueberredung angewendet, legte er verſtohlen das Gold in einen Winkel des Ka⸗ mins, und ging ſchnell hinaus. Aber er konnte nicht ſo geſchwind die Treppe hinabſteigen, als der Sack unten ankam. Anquetil ſchlug auch eine Penſion von 6000 Livres aus, deren ihn der Aus⸗ ſchuß für die öffentliche Erzichung würdig erklärt hatte. Er ſchickte

das Brevet zurück, mit der Erklärung, daß er nichts bedürfe. In⸗

deſſen war er in der größten Noth; dies bewies ſchon ſeine ſchlechte Kleidung. Einer ſeiner Kollegen, der ihm mehrere Jahre nicht begegnet, hielt ihn eines Tags für einen ſchüchternen Armen(pau⸗ vre honteux), und erkannte ihn erſt beim Anbieten eines Allmo⸗ ſens.Sie überraſchen mich nicht, ſagte Anquetil, und ernie⸗ drigen mich eben ſo wenig. Sie wollten ein gutes Werk thun. Dies

ſey Ihnen nicht geraubt; ich werde ſelbſt Theil daran nehmen.

Bieten Sie der leidenden Menſchheit Ihre Gabe an, und zwar in

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