Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Anguetil du Perron. 1 239

fältig die Ueberlieferungen derſelben. Auch ſtellte er über das Klima und die Sitten der Einwohner viele Beobachtungen an. In

dieſer Stadt wurde ſeine Hoffnung erfüllt; er fand die Prieſter,

welche die heiligen Bücher beſaßen, die er ſuchte. Doch ſetzten ihm dieſe Prieſter manche Schwierigkeiten entgegen, weil ihnen das Geſetz verbot, die Bücher anderer Religionsverwandten mitzuthei⸗ len. Indeſſen gelang es ihm, durch Beharrlichkeit und Unterwür⸗ figkeit, einen dieſer Prieſter oder Destours dahin zu bringen, daß er ihn die Sprache Pehlvi lehrte. Er ſtudirte mit ſolchem Eifer, daß er bald ein Wörterbuch dieſer Sprache verfertigen konn⸗ te, welches er am 24. März 1759 ſchloß. Der Prieſter, der ihn unterrichtet, führte ihn mit Gefahr ſeines Lebens in das innerſte Heiligthum des Tempels. Hier erblickte er die Gebräuche und Ce⸗ remonien, von welchen die Liturgieen nur eine ſehr unvollkommene Beſchreibung geben. Er hatte ſich vorgenommen, die Sprachen und Bücher der Hindus zu Benares zu ſtudiren; aber die Erobe⸗ rung Pondichery's hinderte ihn daran. Ein Streit, den er mit ei⸗ nem Franzoſen hatte, nöthigte ihn, ſich unter den Schutz der brit⸗ tiſchen Flagge zu begeben. Er landete in England, und ging nach Orford, um die Schriften, die er beſaß, mit dem daſelbſt befind⸗ lichen Manuſcript des Vendidad-Sade zu vergleichen. Der größte Theil der perſiſchen Bücher war von ihm überſetzt. Er kam den 4. Mai 1762 nach Paris zurück, ohne Vermögen, aber im Be⸗

ſittz von 180 Manuſcripten, und überdies mit einer großen Menge

ſeltener und merkwürdiger Gegenſtände verſehen. Der Abbé Bar⸗ thelemy(Verfaſſer des Anacharſis), erwirkte, in Gemeinſchaft ei⸗ niger Literaturfreunde, die Anquetil ſchätzten, ihm eine Penſion und die Ernennung zum Dolmetſcher der orientaliſchen Sprachen in der königlichen Bibliothek. 1763 ward er Mitglied der Akademie der ſchönen Wiſſenſchaften. 1771 gab er den Zend⸗Aveſta,*) eine Sammlung der heiligen Bücher der Parſen, heraus. Er fügte

ſeiner Ueberſetzung eine intereſſante Darſtellung ſeiner Reiſen und

das Leben Zoroaſters bei, der den Zend⸗Aveſta zum Theil ab⸗ faßte, deſſen älteſte und merkwürdigſte Stücke der Vondidad und der ILzeschne ſind; mit dem Vorſatze, Montesquieu zu widerlegen, der die Völker Indiens als Sklaven ſchildert, ſchrieb Anquetil ein Werk, betitelt: Orientaliſche Geſetzgebung, ——.

*) Zend⸗Aveſta heißt das lebendige Wort. Zend und

Pehlvi ſind die altperſiſchen Dialekte. In der Zendſprache ſind die hier angezeigten heiligen Bücher des Zoroaſters ercheieten