Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Anquetil. Anquetil du Perron. 237

des Nat. Inſtituts und der Ehrenlegion, wurde 1723 zu Paris ge⸗ boren. Er ſtudirte die Theologie in der Congregation von St. Ge⸗ novefa, und machte in allen Wiſſenſchaften ſo reiſſende Fortſchritte, daß er ſelbſt unterrichtete, während er noch zu lernen ſchien. Mit 20 Jahren war er Profeſſor der ſchönen Wiſſenſchaften, der Philo⸗ ſophie und Theologie am Collegium St. Jcan. Als Direktor des,

Seminariums zu Rheims gab er eine wohlgeſchriebene Geſchichte

dieſer Stadt. Ein mit Recht berühmtes Werk iſt der Geiſt der Ligue. Im Anfang der Revolution war er Pfarrer zu La Vilette, bei Paris. Dort entwarf er den Plan zu ſeinem kurzen Inbe⸗ griff der Univerſalgeſchichte. Während der Schreckens⸗ zeit verhaftet, ſetzte er dieſes Werk im Gefängniſſe fort, und vol⸗ lendete es nach ſeiner Befreiung. Jetzt wurde er Mitglied der Aka⸗ demie der Inſchriften und ſchönen Literatur, und in der Folge bei dem Miniſterium der auswärtigen Augelegenheiten angeſtellt. Außer den genannten hat man von ihm mehrere vorzügliche hiſtoriſche und po⸗ litiſche Schriften über Frankreich, auch Abhandlungen, die ſich unter den Denkwürdigkeiten des Inſtituts befinden. Jedes Jahr machte er eine Reiſe zu ſeinen ehemaligen Pfarrkindern in Chateau⸗ Renard, bei Orleans, wo er einmal als Prior geſtanden. Da ſein dortiger Aufenthalt durch den Eifer in Erfüllung ſeiner Pflichten und durch Wohlthätigkeit bezeichnet war, ſo empfing er immer häu⸗ fige Beweiſe der Achtung und Ergebenheit. Er war von ſehr ge⸗ ſelligem Charakter, und verſchieden von ſeinem Bruder Anguetil⸗ du Perron, mit dem er jedoch beſtändig in enger Freundſchaft lebte. Seine Gemüthsart war immer gleichbleibend und von großer Mä⸗ ßigung. Ihr verdankt er die Stärke, die ihn bis zum letzten Au⸗ genblicke aufrecht hielt. Er arbeitete zehn Stunden des Tags,

ſelbſt in den letzten Jahren ſeines Lebens. Den 6. September 1808

ſtarb er, 84 Jahre alt. Den Tag vor ſeinem Tode ſagte er zu ei⸗ nem ſeiner Freunde:Sehen Sie hier einen Mann, der voller Leben ſtirbt!«

Anquetil du Perron(Abraham Hy aeinth), Bruder des vorigen, geb. zu Paris 1731, ſtudirte auf der dortigen Univer⸗ ſitäty wo er mit Erfolg die hebräiſche Sprache lernte. Hr. von Caylus*), Biſchof von Auxerre, leitete ſeine theologiſchen Stu⸗ dien ſowohl in ſeiner eignen Diöceſe, als im Seminariam zu Amers⸗

*) Dieſer iſt nicht mit dem berühmten Alterthumsforſcher Grafen von Caylus zu verwechſeln, welcher in Militärdienſten ſtand. Wahrſcheinlich gehört er aber zu deſſen Verwandten. G.