Teil eines Werkes 
1. Bd. (1821) Neue Biographie der Zeitgenossen, oder historisch-pragmatische Darstellung des Lebens aller derjenigen, die seit dem Anfange der französischen Revolution durch ihre Handlungen, Schriften, Irrthümer oder Verbrechen, sowohl in Frankreich, als im Auslande, Berühmtheit erlangt haben. 1. Bd.
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Ankarſtroem. Annecy. 235

Räumung des Saals fand man auf dem Fußboden eine Piſtole und einen Dolch. Ein Waffenhändler aus Stockholm erkannte die Pi⸗ ſtole, welche Ankarſtroem bei ihm gekauft. Dieſer ward am 18. März in ſeiner Wohnung, wohin er ſich ganz ruhig begeben hatte, verhaftet. Man hat fälſchlich geſagt, daß eine Kommiſſion ihn gerichtet; er wurde vor die gewöhnlichen Tribunäle geſtellt. Mit Feſtigkeit geſtand er, daß er Vollzieher des Mords ſey, und nannte einige Perſonen, nicht als Mitſchuldige, ſondern nur als Mitwiſſer, ſeines Vorhabens. Den 29. April 1792 ward er verurtheilt, drei Tage lang mit Ruthen gepeitſcht, und darauf, nach Abhauung der rechten Hand, enthauptet zu werden. Er ging ruhig zum Tode, indem er gleichgültige Blicke auf die ihn umgebende Menge warf, und erlitt ſein Schickſal mit Ergebung im Alter von 33 Jahren. Mehr als 200 Perſonen von allen Klaſſen wurden in dieſe Sache verwickelt, Edelleute, Beamte, Bürger, Offiziere, und Plebeier. Einer dieſer letzteren gab ſich den Tod im Gefängniſſe, zur nämli⸗ chen Zeit, als ſich der Baron von Bielke in ſeiner Behauſung töd⸗ tete, und alle geiſtliche und zeitliche Hülfe, die man ihm reichen wollte, ausſchlug. Vier Mitſchuldige Ankarſtroems wurden zur Landesverweiſung verdammt, nämlich: die Grafen von Horn und von Ribbing, der Obriſt des Garde⸗Regiments Liliehorn, und der Artillerie⸗Adjutant Ehrenſward. Fünf andere verurtheilte man zu einer mehr oder weniger langen Gefangenſchaft, nämlich: den alten General Pechlin, die zwei Brüder des Miniſters der äußern Angelegenheiten Engſtroem ꝛc. Die andern wurden frei gelaſſen. Ankarſtroems Verſchwörung und Tod gaben den Stoff zu einer Tragödie, welche das Théaâtre français annahm, deren Vorſtel⸗ lung zu erlauben aber die Regierung von 1793 nicht für gut hielt. Selbſt der Heilsausſchuß und Robespierre fanden dieſes Stück übertrieben, das den Antor der republikaniſchen Tragödie Pau⸗ ſanias zum Verfaſſer hatte.(S. Trouvé.) Dieſer war damals Redacteur des Moniteur oder der National⸗Zeitung, und wurde ſpäter Mitarbeiter am Conſervateur, einer Art von ul⸗ tramonarchiſchem Blatte. Er hatte die Entwickelung ſeines Stücks, deſſen Autorität die Nationalzeitung ſeyn mußte, auf das Ziehen der Looſe berechnet, deren Urne mit Pomp auf die Bühne getragen ward. Dies konnte wohl Anlaß zu einer ſchö⸗ nen Scene in einer Tragödie oder in einem Melodram geben, ver⸗ ſtieß aber gegen die hiſtoriſche Wahrheit.(S. Guſtad III.) Annecy, einer der ſogenannten farbigen Menſchen(Mulat⸗ ten), wurde von der Kolonie St. Domingo 1797 als Deputirter