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eine völlige Umwandlung, ſchaffte den Senat ab, befeſtigte die königl. Gewalt, und ließ 17 der einflußreichſten Repräſentanten des Adels, worunter Graf von Ferſen, Vater desjenigen, der eine Rolle in Frankreich geſpielt, der Graf von Horn, die Barone Mack⸗ leans ꝛc. ſich befanden, verhaften. Ankarſtroem ſprach erſt in der vorletzten Sitzung, aber mit äußerſter Heftigkeit. Jezt ließen der Adel und ein Theil der Plebeier die Klagen über den Verluſt ihrer Rechte laut werden. Der Groll, den Ankarſtroem gegen den Mo⸗ narchen trug, wurde noch bitterer durch die an dem Oberſten Hoetsko vollzogene Todesſtrafe. Dieſer Offizier, einer der ausge⸗ zeichnetſten der Armee in Finnland, hatte am meiſten dazu beige⸗ tragen, dieſelbe vom Offenſiv⸗Kriege gegen Rußland abzuhalten, weil dieſe Unternehmung, als von den Ständen des Königreichs nicht gebilligt, für illegal gehalten wurde. Deswegen wurde er auf dem öffentlichen Platze zu Stockholm hingerichtet. Ankarſtroem begleitete den Oberſten bis zum Schaffott, und dort faßte er, nach ſeiner im Verhör gegebenen Erklärung, den Entſchluß zum Morde des Königs. Er wollte ihn allein vollbringen. Mit dieſer beſtimm⸗ ten Aeußerung ſchloß er ſich an die Mißvergnügten an, die ſein Vorhaben begünſtigten. Dieſe ſchreckliche Sendung ward ihm von Niemand ſtreitig gemacht. Deswegen loſete man nicht, wie man⸗ che Biographien behaupten. Die Bändereichen Akten des zu Stock⸗ holm 1792 gedruckten Prozeſſes ſagen nicht ein Wort davon. Der Kurier von Europa hat allein dieſe Erzählung verbreitet; kein ſchwediſches Journal enthält ſie. Wie dem auch ſey, der Anſchlag konnte weder damals zu Stockholm, noch ſpäter zu Gehle, wohin der König auf den 23. Januar 1792 den Reichstag berufen hatte, gelingen. Die Verſchwornen hatten ſich dort verſammelt; aber die Gelegenheit fehlte. Aufgebracht durch die Widerwärtigkeiten und die nenen Maßregeln des Reichstags kamen ſie nach Stockholm zurück, mit dem Entſchluſſe, den Vorſchub, welchen ihnen ein Maskenball darbot, zu benutzen. Hier war es, wo am 16. März (nicht am 15., wie man irriger Weiſe gemeldet,) der ſchwediſche Monarch den Schuß erhielt, von welchem er ſterbend in die Arme des Grafen von Eſſen ſank, mit dem er eben den Saal durchging. Ankerſtroem, der ſein Ziel ſicher gefaßt hatte, ſchoß auf Guſtav eine mit zwei Kugeln und mehreren Nägeln geladene Piſtole ab; alsdann verlor er ſich in der Menge. Er hatte, ſagt man, ge⸗ fürchtet, den Konig unter dem Domino nicht zu erkennen; aber der Graf Horn bezeichnete ihm denſelben, indem er den Fürſten mit den Worten grüßte:„Guten Tag, ſchöne Maske!« Nach der


