Angrand Alleray. Angran. 231
ſammlungen ſchon das ſturmbewegte Vorſpiel gaben, allerdings heftig beunruhigt werden. Die Verrichtungen eines Civil⸗Lieute⸗
nants, welche er 15 Jahre mit Freuden geübt, dünkten ihm jetzt
eine zu ſchwere Laſt. Der nahe Fall des Parlaments gab nunmehr dem Chatelet eine Vereinzelung und eine Verantwortlichkeit, zu der ſich die Gewohnheiten und Erinnerungen eines alten Magi⸗ ſtrats nicht bequemen konnten. D'Alleray nahm ſeine Entlaſſung, mit dem Bedauern ſeiner Kollegen und der ganzen Stadt Paris geehrt. Dies Bedauern war um ſo ſchmerzlicher, als er durch ſei⸗ nen Rachfolger Talon bei weitem nicht erſetzt werden konnte(S. Favras und Talon). Er fand nun im Schooße ſeiner Familie einen Zufluchtsort während den Revolutionsunruhen. Sie beſtand aus drei Töchtern. Die älteſte war die Gattin des Marquis von Vibraye, General⸗Licutenants und Erziehers des Herzogs von Enghien; die zweite des Marquis de la Luzerne, anfänglich Geſand⸗ ten zu Konſtantinopel, hernach zu London; und die dritte des Gra⸗ fen de la Luzerne, damaligen Sceminiſters. Die Auswanderung trennte ihn bald von einem Theil ſeiner Familie. Während der Schreckenszeit ward er verhaftet, und vor den allzu famoſen Fou⸗ quier⸗Tinville, damals öffentlichen Ankläger am Revolutionstri⸗ bunal, geführt. Dieſer Mann, der Prokurator am Chatelet ge⸗ weſen, erinnerte ſich der Tugenden ſeines ehemaligen Vorgeſetzten, und faßte, als unerklärbare Ausnahme von der verſöhnungsloſen Wildheit ſeines Charakters, den Vorſatz, ihn dem Tode zu entzie⸗ hen. Aber d'Alleray war als Vater von Emigranten verhaftet, und er mußte hier leugnen, daß er ſeinen Kindern Unterſtützung geſandt habe. Dieſer ruhmwürdige Bürger konnte nicht zwiſchen dem Leben und der Lüge wanken.„Weißt du nicht, ſagte der rauhe „Fonquier⸗Dinville mit einer unterdrückten Gemüthsbewegung, „das Geſetz, welches dergleichen verbietet?— Ich kenne ein hei⸗ „ligeres, erwiederte der Greis; das der Natur, welches den Vä⸗ „tern gebeut, ihren Kindern Hülfe zu leiſten!“ Dieſe edle und rührende Antwort war Schuld, daß d'Alleray ſein Haupt auf das Schaffott trug, am 18. April 1794, in einem Alter von 79 Jahren.
Angran(Ludwig Alerander), Bruder des vorigen⸗ geb. 1713, geſt. 1801 ohne Nachkommenſchaft. Er war Rath an der großen Kammer, und wegen ſeiner Einſichten und Rechtſchaf⸗
tbei⸗ den erblichen Eigenſchaften dieſer Familie, allgemein


